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Zigtausende Frankenkredite sind tief unter Wasser, die Nationalbank spricht dennoch von einem "beherrschbaren Risiko".

 

Wien. (kle) Frankenkredite waren in Österreich von 1999 bis 2008 sehr beliebt, ehe ein behördlicher Ukas die Neuvergabe verbot. Vor allem viele Häuslbauer verschuldeten sich in Schweizer Franken, um von niedrigen Zinsen zu profitieren. Dabei spekulierten sie darauf, dass der Wert des Franken gegenüber dem Euro nicht steigen würde. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Denn der Franken legte nach der Finanzkrise um gut die Hälfte zu, was die Rückzahlungssumme der Kredite massiv nach oben schraubte.

 

Wer zum Beispiel 2008 einen Kredit mit 20 Jahren Laufzeit aufgenommen hat, wird 2028 ungefähr doppelt so viel zurückzahlen müssen. Auch wenn bereits viele Österreicher ihre Verluste realisiert haben, indem sie ihre hochriskanten Frankenkredite in Eurokredite konvertiert haben, und die Nationalbank von einem "beherrschbaren Risiko" spricht: Immer noch haftet hierzulande ein stolzes Kreditvolumen von rund 20 Milliarden Euro in Franken aus.

 

90.000 Privathaushalte in Fremdwährung verschuldet


Zuletzt waren noch rund 90.000 private Haushalte in einer fremden Währung (primär in Schweizer Franken) verschuldet. Einige davon fühlen sich von ihren Banken falsch beraten und damit geschädigt. Sie wollen Schadenersatz und haben sich deshalb an den im März ins Leben gerufenen Verein Cobin Claims gewendet, der sich als "nicht gewinnorientierte Plattform für juristische Sammelaktionen und Sammelklagen" sieht. Einer der Mitbegründer von Cobin Claims (= Consumer, Business, Investors) ist Peter Kolba, der frühere Chefjurist des Vereins für Konsumenteninformation und jetzige Klubobmann der Liste Pilz.

 

Am Donnerstag hat die private Verbraucherschutzplattform beim Gesetzgeber verstärkte Maßnahmen für "Frankenkredit-Geschädigte" eingefordert. In diesem Zusammenhang hat sie auch eine Online-Petition für betroffene Kreditnehmer gestartet - vor allem für jene, deren Ansprüche bereits von Verjährung betroffen sind.

 

"Banken, Fonds, Versicherungen und provisionsgetriebene Vermittler haben an den gutgläubigen Kreditnehmern verdient und lassen sie nun mit existenzbedrohenden Deckungslücken im Regen stehen", kritisiert Vereinsobmann Oliver Jaindl. Mit rechtlichen Mitteln werde man zwar vielen, aber nicht allen Betroffenen helfen können - vor allem wegen der Verjährungsproblematik. "Hier ist das Einschreiten der Politik nötig, damit Regelungen geschaffen werden, damit es zu fairen Lösungen für die Bankkunden spätestens zum Kredit-Laufzeitende kommt", betont Jaindl. Mit der Petition solle nun der Druck auf den Gesetzgeber erhöht werden, "bei Frankenkrediten endlich eine Lösung für tausende Kreditnehmer zu erwirken".

 

Cobin Claims: "Fehlerhafte Tilgungsträgerkonzepte"

Wie Rechtsanwalt Wolfgang Haslinger von Cobin Claims am Donnerstag vor Journalisten erklärte, gebe es in Sachen Frankenkredite "durchaus Handlungsmöglichkeiten" - trotz der dreijährigen Verjährungsfrist. In den meisten Fällen sei es nämlich nicht nur an der ungünstigen Kursentwicklung des Franken gelegen, sondern vor allem an der falschen oder mangelhaften Beratung der Kreditvermittler, die aber für den Großteil der Kreditnehmer gar nicht erkennbar gewesen seien. Haslinger räumte allerdings ein, dass dies nachzuweisen erst durch Sachverständige möglich sei.

 

Was eine von Cobin Claims vor Kurzem durchgeführte Untersuchung von insgesamt 100 Frankenkrediten ebenfalls zutage gefördert habe: In vielen Fällen habe es für den Fremdwährungskredit "fehlerhafte und nicht durchdachte Tilgungsträger-Konzepte" gegeben.

 

www.wienerzeitung.at


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