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LINZ. Bitcoin: Wirtschaftsprofessor Teodoro Cocca über den Hype um die Kryptowährung, die Versäumnisse der vergangenen und die Aufgaben der künftigen Bundesregierung

 

Er warne massiv davor, in Bitcoin zu investieren, sagt Teodoro Cocca, Professor für Asset Management an der JKU, im Gespräch mit den OÖNachrichten. Außerdem erklärt er, warum sich Österreich von der guten Konjunktur nicht blenden lassen dürfe.

 

OÖNachrichten: Österreich geht es wirtschaftlich gut.


Cocca: Die Konjunktur schaut gut aus.

 

Den Staatsfinanzen nicht?


Da ist doch ein Unterschied. Der Aufschwung ist ein Effekt, der alle Boote nach oben zieht, gleich wie fit und leistungsfähig das Boot ist. Die dringend notwendigen Reformen muss aber die nächste Regierung angehen.

 

Was sind die wichtigsten Reformen, die die neue Regierung in Angriff nehmen muss?


Eines der großen Themen ist eine gesunde Haushaltslage, die Herausforderungen sind ähnlich wie im Land Oberösterreich. Es geht um den Abbau von Schulden und darum, nicht mehr auszugeben, als man einnimmt. Die Schuldenquote ist weiterhin hoch, die Ausgaben sind höher als die Einnahmen. Und jetzt ist der beste Zeitpunkt, etwas zu ändern, weil die Zinsen niedrig sind und die Konjunktur gut ist. Es braucht keine teureren Konjunkturmaßnahmen. Es gibt eine historische Chance, Dinge nun grundsätzlich anzupacken, anstatt an der Kosmetik zu arbeiten.

 

Die steigenden Einnahmen könnten einen in Sicherheit wiegen.


Das allein kann nicht genügen, weil sobald die Konjunktur einbricht, vergrößert sich das Finanzloch. Es werden auch Maßnahmen notwendig sein, die auf wenig Gegenliebe stoßen.

 

Wie man in Oberösterreich sieht.


Es ist verständlich, dass sich die Betroffenen beklagen. Verständlich ist aber auch der Gedanke, dass man das trotzdem im Interesse kommender Generationen angeht.

 

Sie waren in dieser Sache Berater der Landesregierung. Halten Sie es für klug, dass man hier mit dem Rasenmäher bei den Kosten drüberfährt?


Das stimmt ja so nicht. Es stimmt, dass alle Ressorts sparen müssen. Aber man hat dann auch Unterschiede gemacht. Vor allem in jenem Ressort, wo es jetzt hin- und hergeht, hat man rücksichtsvoll gehandelt und die Sparziele geringer angesetzt. Insofern war es eine intelligente Rasenmähermethode, weil auch strategische Unterschiede gemacht wurden. Man muss auch das große Ganze sehen, das ging in der Debatte unter. Nur wenn man die Finanzlage in Ordnung bringt, hat man Handlungsspielraum, gerade auch in sozialen Fragen. Wenn die Einsicht von den Ressorts nicht kam, war es notwendig, dass es einheitliche Vorgaben gibt. Grundsätzlich einfach gegen das Sparen zu sein, ist ziemlich populistisch.

 

Bei den Gehältern für die Landesbeamten ist Landeshauptmann Stelzer eingeknickt. Aber sonst sieht es so aus, als ob die Landesregierung das jetzt durchzieht.

 

 

Das ist auch sehr zu begrüßen, weil nur das auf lange Sicht dem Land dient. Das gilt im Übrigen für ganz Österreich ebenso.

 

Andere Bundesländer wie Niederösterreich und Kärnten hätten aber noch größeren Handlungsbedarf.


Der finanzielle Druck ist in anderen Bundesländern noch größer.

 

Was ist strukturell für das Budget auf Bundesebene in den vergangenen Jahren passiert?


Da muss ich lange nachdenken (denkt nach). Da fällt mir nichts ein im Sinne einer nachhaltigen positiven Veränderung. Das zeigt, wie notwendig so etwas wäre.

 

Wie lange hat die Regierung Spielraum?


Wenn man normale Konjunkturzyklen heranzieht, wären das zwei bis drei Jahre für substanzielle Maßnahmen.

 

Die Zinsen sind niedrig, die Sparer werden sukzessive auf diese Weise enteignet. Wer Geld hat, sucht Anlageformen. Eine davon erlebt gerade einen großen Hype: Bitcoin und andere Kryptowährungen. Erleben wir hier Pyramidenspiele des Digitalismus?


Das würde ich auch so sehen. Ich warne dringend davor, in Bitcoin zu investieren. Die Merkmale der Bitcoin-Preisentwicklung passen klassisch ins Bild einer spekulativen Blase. Schöner geht es nicht. Die wird platzen und wird bei Investoren, die eben aufgesprungen sind, Verluste verursachen. Die Idee, dass es in einer digitalen Welt auch digitale Währungen braucht, ist an sich logisch. Wer Bitcoins heute kauft, spekuliert aber lediglich auf eine weitere massive Preissteigerung. Von Bitcoins als Zahlungsmittel spricht aber niemand, auch weil man praktisch nirgends damit zahlen kann. Das hat also alles wenig mit einer Währung zu tun, sondern vielmehr mit einer gierigen Herde. Es gibt z. B. keinen Zins und daher auch keinen inneren Wert. Das ist die klarste Form eines Luftschlosses, weil es nur aus Fantasie besteht.

 

Die Stimmung auf den Märkten ist generell von hohem Risiko geprägt.


Bitcoin ist der Ausdruck dieser Stimmung. Das bereitet Sorgen.

 

Wohin mit dem Geld, das man sich erspart hat?


Da gelten die alten Grundregeln. Ein Teil sollte sehr sicher angelegt sein. Wenn einem das zu wenig ist, muss man wissen, dass alles andere derzeit riskant ist. Ich würde vorsichtig sein.

 

Die Alternativen sind überschaubar. Auch Immobilien sind sehr teuer.


Die meisten Anlageformen sind im oberen Bereich der Bewertung. Es ist aber auch kein Auslöser in Sicht, der die aktuelle Stärke oder Selbstgefälligkeit der Märkte stoppt.

 

Wie lange wird die EZB noch brauchen, ehe sie vom Nullzins abgeht?


Schon die Diskussion um die Nachfolge von Mario Draghi als EZB-Chef wird den Druck erhöhen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ab Sommer nächsten Jahres Bewegung in die Zinslandschaft kommen wird. Die US-Fed gibt den Weg vor. Das Dilemma, in dem die EZB bald stecken könnte: Deutschland brummt, Italien schwächelt. Die Konjunktur stellt sich im Euroraum also sehr unterschiedlich dar. Was macht sie dann mit dem Zins? Schaut sie auf Deutschland oder Italien? Dieses Dilemma hatte die EZB bis jetzt noch nicht.

 

 

Dietmar Mascher        www.nachrichten.at

 


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