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WELS / LINZ. Sporthandel: Mit XXL und Decathlon sind neue Anbieter auf dem Sprung nach Österreich. Wie Intersport und Sport 2000 ihre Marktanteile verteidigen wollen.

 

"So einen Sportmarkt wie in Österreich gibt es nirgendwo. Er ist der meistumkämpfte in Europa", sagt Mathias Boenke, Geschäftsführer von Intersport Austria. "Der Wettbewerb ist extrem scharf", pflichtet ihm Holger Schwarting, Chef von Sport 2000, bei. Die beiden Deutschen beherrschen mit ihren Firmen den Sporthandelsmarkt in Österreich. Sie sind zuversichtlich, dass das so bleibt.

 

Doch nun drängt neue Konkurrenz auf den Markt: Die norwegische Kette XXL kommt diesen Herbst nach Österreich und eröffnet drei Standorte – einen in der Plus City in Pasching. Auch der französische Ausstatter Decathlon erwägt schon seit geraumer Zeit, seine Zelte hierzulande aufzuschlagen. Und dann gibt es noch die Spar-Tochter Hervis sowie die Briten von Sports Direct.

 

Die wachsende Zahl an Wettbewerbern treibt weder Schwarting noch Boenke Sorgenfalten ins Gesicht. "Konkurrenz belebt das Geschäft", sagt Boenke, der seit dreieinhalb Jahren bei Intersport die Fäden zieht. Nachsatz: "Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob es noch genug Platz auf dem Markt gibt."

 

Schwarting, seit 2011 Chef von Sport 2000, geht, angesprochen auf XXL und Decathlon, in die Offensive: "Wenn sie kommen, trifft uns das nicht. Wir sind auf dem Land stark. Die anderen wollen eher in die Städte."

 

Für die zwei Geschäftsführer driftet der Gesamtmarkt in zwei Teile auseinander: auf der einen Seite die Diskonter, auf der anderen Seite die Fachhändler. Zu letzterem Bereich zählen sich sowohl Sport 2000 als auch Intersport. "Die Veränderung, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat, ist außergewöhnlich", sagt Boenke im Gespräch mit den OÖNachrichten. Seit dem Aus von Eybl – seit 2014 Teil von Sports Direct; heuer schloss die letzte Filiale in der Plus City – sei es niemandem gelungen, die Lücke zu schließen. Eybl punktete bei vielen Kunden mit Beratung und Service. Das sei bei Sports Direct nicht der Fall, bemängeln Kritiker.

 

Informiert und anspruchsvoll

 

Dass das Werben um Kunden ob des gestiegenen Angebots schwierig ist, wissen Schwarting und Boenke. "Der typische Österreicher, der Sportartikel einkauft, ist nicht nur sportaffin, sondern auch modisch und informiert – aber auch extrem fordernd", sagt Intersport-Chef Boenke.

 

Schwarting bestätigt: "Die Kunden sind Qualität statt Quantität gewohnt." Er bezweifelt, dass Sport 2000 wegen XXL oder Decathlon Kunden wegfallen. "Ein Neuer auf dem Markt müsste den bestehenden Anbietern den Umsatz 1:1 wegnehmen. Ob das auch gelingt, ist mehr als fraglich."

 

Intersport-Chef Boenke geht noch einen Schritt weiter: "Sportkauf ist Vertrauenssache. Für Österreich gilt das ganz besonders."

 

Der Sporthandel in Österreich

 

Den Sporthandelsmarkt in Österreich dominieren Sport 2000 und Intersport. Beide halten je ein knappes Drittel Marktanteil. Wer von den beiden die Nase vorn hat, ist unklar: Sport 2000 hält sich (mit der Marke Giga-sport) für den Marktführer, dasselbe behauptet Intersport.

 

Auf den Plätzen folgen Hervis, das rund ein Fünftel des Marktes hält, und Sports Direct mit einem knappen Zehntel.

 

Sport 2000 hat 350 Geschäfte und 2969 Mitarbeiter in Österreich. Der Umsatz lag im Vorjahr bei 503 Millionen Euro.

 

Intersport Austria hat 275 Geschäfte und 3700 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug ebenfalls knapp mehr als 500 Millionen Euro. Im Oktober dieses Jahres sperren neue Sporthandelsgeschäfte in Steyr, Ried und Linz-Urfahr auf.

 

Martin Roithner        www.nachrichten.at


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