Sprache: DE EN

BRAUNAU/RIED. Gut ausgelastete Betriebe investieren in der Region und schaffen neue Jobs. Das Innviertel mausert sich zur Vorzeigeregion. Und das über Oberösterreich hinaus.

 

Die Unternehmen sprechen bereits von Vollbeschäftigung. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in der exportorientierten Region gilt seit jeher als Messlatte, wie es mit der Konjunktur in Österreich weitergeht.

 

KTM-Chef Stefan Pierer sagt etwa: "Wir haben Vollbeschäftigung. Allein unsere Gruppe hat in den vergangenen zwei Jahren fast 1000 Mitarbeiter aufgenommen. Heuer können wir nur um 150 bis 180 aufstocken. Mehr geht nicht mehr, weil die Leute nicht mehr zu kriegen sind." Der Motorrad-Bauer lagert deshalb einfachere Tätigkeiten an kleinere Betriebe aus. Pierer strebt an, "rund um den Kirchturm" zu bleiben, also in Oberösterreich und Süddeutschland. Von der guten Entwicklung profitieren also auch andere.

 

In den Zahlen des Arbeitsmarktservice (AMS) ist die angesprochene Vollbeschäftigung noch nicht ablesbar – aber eine deutliche Reduktion der Arbeitslosigkeit: Im Arbeitsmarktbezirk Braunau ist die Arbeitslosenrate von 6,8 auf 6,1 Prozent zurückgegangen. "Wir sind früh dran, im Positiven, wie im Negativen. Wir sehen, es ziehen alle Betriebe an", sagt Walter Moser vom AMS Braunau.

 

KTM ist daher nur ein Beispiel für die gute Entwicklung einer durchmischten Industriestruktur: Der Alukonzern Amag baut aus und schafft 450 zusätzliche Arbeitsplätze. Dazu kommt auch der Industrieautomatisierer Bernecker & Rainer, der bereits 2000 Arbeitnehmer beschäftigt.

 

"Alle bauen Personal auf"

 

Im Bezirk Ried treibt vor allem das Wachstum des Flugzeugzulieferers FACC die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Von den 25.000 Erwerbstätigen stehen allein 3000 auf der Lohnliste von FACC. Der Leichtbau-Spezialist hat in den vergangenen Jahren Hunderte Arbeitsplätze geschaffen.

 

Aber auch die exportorientierten Industriebetriebe Scheuch und Wintersteiger wachsen. "Kein einziger der Leitbetriebe hat Probleme, alle bauen Personal auf", sagt der AMS-Chef von Ried Klaus Jagereder. Die Statistik weist 4,8 Prozent Arbeitslosenquote für Ried aus. "Würde man die Arbeitslosigkeit aber so messen wie 2007, wären wir jetzt einen Prozentpunkt drunter. Im Juni wären wir dann bei 3,5 Prozent." Das wäre dann auch in der Statistik Vollbeschäftigung.

 

Auffallend in ganz Oberösterreich ist das starke Plus bei den offenen Stellen. Das wird primär vom Innviertel getragen: In Braunau kommen auf 2650 Arbeitssuchende 1500 offene Stellen. Noch krasser ist das Verhältnis im Bezirk Ried. Dort kommen auf weniger als 1400 arbeitslos Gemeldete knapp 900 offene Stellen. In Schärding hat sich mit 350 offenen Stellen diese Kennziffer zum Vorjahr fast verdoppelt.

 

Allerdings ist nicht alles Wonne: Der Anteil der Pflichtschulabsolventen unter den Arbeitslosen ist mit mehr als 60 Prozent noch höher als im Landes-Durchschnitt. Darum wird mit Beihilfen und Qualifikationen versucht, hier anzusetzen. Und Ältere profitieren nicht von der Erholung auf dem Arbeitsmarkt.

 

Das macht das Innviertel aus

 

68,5 Prozent mehr offene Stellen gibt es im März 2017, verglichen mit dem März 2016. Fast 2800 Stellen haben die Betriebe damit in den Bezirken Ried, Braunau und Schärding beim Arbeitsmarktservice gemeldet. Am besten ist die Lage in Ried. Dort kommen auf fast 900 offene Stellen knapp 1400 Arbeitsuchende. Allerdings: „Die offenen Positionen und die Arbeitslosen passen nicht zusammen“, so das AMS.

 

450 neue Arbeitsplätze Beim Aluminiumkonzern Amag aus Ranshofen sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Man spüre die „positive wirtschaftliche Stimmung“, heißt es. Die Amag investiert, wie berichtet, 520 Millionen Euro am Standort. Dadurch entstehen 450 neue Arbeitsplätze.

 

Der Flugzeugzulieferer FACC hat im Vorjahr 350 Mitarbeiter aufgenommen, also fast jeden Tag einen. Damit sind erstmals mehr als 3000 Beschäftigte (von 3400 im Konzern) in den vier Werken im Innviertel tätig.

 

Die Region: Manager und Unternehmer im Innviertel schwärmen von der Mentalität der Arbeitnehmer, die fleißig seien und extrem motiviert. Die Leitbetriebe liefern in verschiedene Branchen, damit sei die Region breiter aufgestellt als andere. Die schlechte Verkehrsanbindung würde inzwischen von guten Internetleitungen wettgemacht.

 

Arbeitslosigkeit gesunken

 

Die Arbeitslosigkeit ist in Österreich gesunken. 431.000 Menschen waren laut AMS im März ohne Job, das sind 8000 weniger als noch vor einem Jahr. Die nationale Arbeitslosenquote ging von 9,3 auf 8,9 Prozent zurück.

 

In Oberösterreich waren im März 41.000 Arbeitslose gemeldet. Das ist ein Rückgang von 4,2 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Arbeitslosenquote sank von 6,4 auf sechs Prozent. Einen deutlichen Anstieg gab es bei den offenen Stellen: von 13.400 auf 17.700 (plus 32 Prozent).

 

Bundesweit sank die Arbeitslosigkeit am stärksten in der Baubranche (minus 15,8 Prozent) und in der Warenproduktion (minus 8,3 Prozent). Mehr Arbeitslose gab es bei den über 50-Jährigen (plus fünf Prozent) und Akademikern (plus 4,4 Prozent).

 

www.nachrichten.at


Zurück zur News-Übersicht