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WIEN. Studie und Schlussfolgerung: Aufgaben im Handel verschieben sich, ausländische Anbieter haben ungerechte Steuervorteile.

 

Der Online-Handel bedroht bis 2020 zwei bis vier Prozent der Jobs im heimischen Einzelhandel. Das zeigt eine Trendanalyse des Forschungsinstituts Forba über die Auswirkungen des zunehmenden Online-Handels, die die Arbeiterkammer Wien (AK) gestern vorgestellt hat.

 

Im Detail erwarten die Forscher folgendes Szenario: Bis 2020 werden im Online-Handel 6000 bis 8000 Jobs in Österreich neu entstehen bzw. innerhalb der Betriebe umgeschichtet. Gleichzeitig sind vier bis sechs Prozent der traditionellen Handels-Jobs durch die Zunahme des Online-Handels bedroht. Forba sagt, das entspricht 10.000 bis 15.000 Vollzeitstellen – wobei anzumerken ist, dass die Hälfte der Arbeitsplätze im Handel Teilzeitjobs sind. Beide Effekte kombiniert bedeutet das, 5000 bis 10.000 Vollzeitstellen oder 7000 bis 14.000 Jobs sind gefährdet. Im klassischen Einzelhandel arbeiten 288.000 unselbstständig Beschäftigte.

 

Zudem erwartet die AK eine Zweiteilung der Entwicklung: Auf der einen Seite werden die Aufgaben für die Handelsangestellten spezialisierter bzw. verlangen neue Qualifikationen, auf der anderen kommt es zu stärkerer Automatisierung. Die AK fordert daher, dass die Weiterbildung im Handel forciert wird.

 

Jeder zehnte Umsatzeuro

 

Auch die Entwicklung des Online-Umsatzes wurde hochgerechnet. Aktuell werden rund zehn Prozent der Umsätze im heimischen Einzelhandel im Distanzhandel erwirtschaftet, das entspricht 6,8 Milliarden. Die Trendanalyse zeigt, dass der Anteil in zehn Jahren bei 15 Prozent liegen wird. Der Handelsverband verweist in einer Reaktion auf die Analyse darauf, dass der tatsächliche digitale Einfluss noch weit größer ist. Die Kanäle verschwimmen zunehmend.

 

Auf das Hauptproblem verweisen sowohl Arbeitgeberseite als auch Arbeitnehmer-Vertretung: Die Hälfte der Umsätze im Online- und Versandhandel sowie Teleshopping kommt nicht beim heimischen Handel an, sondern fließt ins Ausland ab.

 

Einig sind sich die Interessenvertreter, dass zum Schutz des heimischen Handels Schlupflöcher gestopft werden müssten: So sind Pakete aus Nicht-EU-Staaten bis 22 Euro von der Mehrwertsteuer befreit. Damit entgehen den EU-Mitgliedern sieben Milliarden Euro Mehrwertsteuer.

 

Laut Handelsverband werde auch beim Verkauf asiatischer Produkte über europäische Plattformen häufig die Einfuhrumsatzsteuer umgangen oder viel zu gering deklariert.

 

Schließlich sollen Amazon, Zalando und Co in Österreich Gewinnsteuern abführen. Derzeit müssen sie das nicht, weil sie keine Betriebsstätte in Österreich haben. Die AK fordert die Einführung "digitaler Betriebsstätten".

 

www.nachrichten.at


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