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Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet von einem möglichen Verkauf von GE Jenbacher, nachdem der US-Mutterkonzern schwer unter Druck steht. GE-Chef will Konzernteile für 20 Milliarden Dollar verkaufen.

 

Jenbach – Gebannt dürften die mehr als 1600 Mitarbeiter des Gasmotorenherstellers GE Jenbacher dem 13. November entgegenblicken. Dann will John Flannery, seit vergangenem Juni neuer Vorstandschef des US-Mischkonzerns General Electric (GE), seine künftige Strategie umreißen. Auswirkungen auf den Standort Jenbach sind dabei nicht ausgeschlossen. Die renommierte Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert einen Analysten, der den Verkauf von GE Jenbacher (wie auch des zweiten GE-Gasmotorenproduzenten Waukesha) für ein realistisches Szenario erachtet. Gegenüber der TT teilte GE Jenbacher mit, dass man zu Gerüchten nicht Stellung nehme.

 

GE-Chef Flannery steht jedenfalls unter Reformdruck. Seit Jahresbeginn brach die GE-Aktie um 40 % ein. Nach schwachen Quartalszahlen kündigte Flannery im Oktober an, hart durchzugreifen und Unternehmensteile im Wert von mehr als 20 Mrd. Dollar (17 Mrd. Euro) zu verkaufen. Die Ende Oktober vorgelegten Geschäftszahlen seien „fürchterlich“ und „inakzeptabel“, sagte der GE-Boss. Der Gewinn der Energiesparte GE Power, zu der auch Gasmotorenhersteller GE Jenbacher gehört, brach demnach mit 611 Millionen Dollar um mehr als die Hälfte ein.

 

Gleichzeitig sagte Flannery gegenüber dem US-Sender CNBC aber auch, dass er für die nächsten zehn Jahre in der Stromerzeugung durch Gas weiterhin ein Geschäft sieht. Zudem gehört das Stromgeschäft zu den historischen Wurzeln des GE-Konzerns.

 

Trennen will sich der GE-Konzern laut jüngsten Agenturberichten von seinen Sparten Verkehr, Healthcare-IT und Flugzeugleasing. Der Bereich Verkehr im GE-Konzern stellt unter anderem Güter- und Reisezüge her. Die Sparte Healthcare-IT bietet unter anderem Informationssysteme im Gesundheitsbereich an. Mit einem Verkauf dieser Bereiche würde GE allerdings nur etwa die Hälfte von den angepeilten 20 Mrd. Dollar einnehmen, rechnete Reuters vor.

 

Das Werk in Jenbach hat eine lange Geschichte hinter sich. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der damalige Hochofenbetrieb eingestellt und auf eine reine Maschinenfabrik umgestellt. 1948 begann man, serienmäßig Dieselmotoren herzustellen. 1959 wurde die Jenbacher Werke AG gegründet, sukzessive ging das Unternehmen mehrheitlich in den Besitz der Creditanstalt (CA) über. 1989 wurde die Jenbacher AG mehrheitlich an Auricon verkauft. Die verlustreiche Eisenbahnsparte Integral wurde 2001 an Connex abgestoßen. Der Rest der Jenbacher Werke wurde schließlich 2002/2003 vom amerikanischen Industriegiganten General Electric geschluckt.

 

Von Max Strozzi       www.tt.com


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