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LINZ. Käufer Marcher übernimmt auch Loidl – Landhof-Fabrik in Linz galt als Sorgenkind.

 

Seit längerem hat die zur Raiffeisenlandesbank Oberösterreich gehörende Vivatis geprüft, was sie mit dem Wurst- und Schinkenproduzenten Landhof mit dem Standort mitten in Linz tun soll. Jetzt ist mit dem Kärntner Familienbetrieb Marcher Fleischwerke ein Käufer gefunden.

 

Marcher übernimmt aber nicht nur den Landhof, sondern auch die Vivatis-Tochter Loidl. Der Salamiproduzent Loidl produziert in St. Stefan im Rosental in Kärnten und macht mit 120 Mitarbeitern 28 Millionen Euro Umsatz. Loidl hat operativ positiv gewirtschaftet.

 

Landhof war seit Jahren ein Problembetrieb. Mehrere Konzepte wurden geprüft und verworfen. Ein Absiedeln aus dem Linzer Zentrum samt Neubau auf der grünen Wiese hätte dem Vernehmen nach bis zu 30 Millionen Euro gekostet.

 

In dem Markt hätte sich das nicht gerechnet, sagen Kenner. Und das Umfeld ist schwierig: Die Fleisch- und Wursterzeuger stehen am Beginn eines Konsolidierungsprozesses.

 

Hartes Umfeld für Landhof

 

Vivatis macht auch kein Hehl von der schwierigen Marktsituation für Fleischverarbeiter: Es gäbe Überkapazitäten, einen starken Kostendruck sowie Verdrängungswettbewerb, sagt Vorstandschef Gerald Hackl. Dazu kommen die Bestrebungen des Lebensmittelhandels eigene Produktionen aufzubauen. Spar forciert seine Eigenmarke Tann, Rewe errichtete jüngst in Eberstalzell eine große Fleischverarbeitungsfabrik.

 

Hackl erwartet auch mittelfristig keine Besserung: "Das Marktumfeld bleibt hart, der Preisdruck wird steigen."

 

Für Marcher schaut die Rechnung ein bisschen anders aus. Ursprünglich ein Schlachtbetrieb kauft Norbert Marcher, der das Villacher Familienunternehmen in dritter Generation führt, Verarbeitungsbetriebe. Er verlängert damit seine Wertschöpfungskette und hat – anders als Landhof – die Rohware Fleisch selbst an der Hand.

 

Landhof und Loidl waren Kunden von Marcher. Andere Fleischverarbeiter sehen Marchers Ambitionen mit Skepsis und wollen künftig nicht mehr bei einem direkten Konkurrenten kaufen.

 

Landhof beschäftigt 180 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von zuletzt 57 Millionen Euro. Der Umsatz war damit über die vergangenen Jahre rückläufig. Die Ertragslage war problematisch, die vergangenen drei Jahre brachten Verluste. Wie es mit dem Produktionsstandort in der Linzer Lederergasse langfristig weitergeht, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

 

Verkäufer Hackl sprach davon, dass das Werk "die nächsten zwei bis fünf Jahre sicher weitergeführt" werde. Die Belegschaft wurde gestern über den Verkauf informiert. Alle Mitarbeiter werden übernommen, teilen Verkäufer und Käufer mit. Über die längerfristige Zukunft des Standorts erfuhren sie nichts.

 

Auf Anfrage ließ Norbert Marcher mitteilen, dass es noch unseriös wäre, über die Pläne zu sprechen. Die Kärntner gelten in der Branche als finanzkräftig. Marcher nennt Synergien im Rohstoffbereich und weitere Spezialisierung als Ziele. Er sieht mit dem Zukauf eine Vervollständigung des Sortiments und will die Marken ausbauen.

 

Der Käufer

 

Franz Marcher gründete 1929 einen Viehhandel. In dritter Generation führt Norbert Marcher den Familienbetrieb, der laut Eigendefinition Österreichs größter Schlacht- und Zerlegebetrieb ist. Die Zentrale ist in Villach. In Steinerkirchen hat Marcher den Schlachtbetrieb Scheinecker gepachtet und modernisiert.2015erfolgte Einstieg in Verarbeitung: Zukauf von Aibler in Oberwaltersdorf und der Fertiggerichte-Produzent Blasko in Bruck.1500Mitarbeiter beschäftigt Marcher in Österreich. Der Umsatz liegt bei 450 Millionen Euro.

 

www.nachrichten.at


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