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LINZ. Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB) hat nach jüngsten Zukäufen Lust auf weitere Firmenbeteiligungen. Ihre Tochter Invest AG hat dafür rund 100 Millionen Euro Eigenkapital auf der hohen Kante, sagt Generaldirektor Heinrich Schaller im Gespräch mit den OÖNachrichten.

 

 

OÖNachrichten: Die Einreichungen zum Pegasus, unserem gemeinsamen Wirtschaftspreis, zeigen, dass es vielen Firmen wieder recht gut geht. Täuscht dieser Eindruck?


Schaller: Die Nachfrage nach Investitionsfinanzierungen lässt diesen Schluss zu. In den vergangenen zwei Jahren haben sie sich zurückgehalten. Heuer rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von knapp zwei Prozent, die Stimmung ist sehr gut.

 

Viele Unternehmen haben so viel Geld, dass sie die Banken gar nicht brauchen.


Wir spüren dennoch eine steigende Nachfrage.

 

Gleichzeitig sinken Ihre Vorsorgen fürs Risiko.


Die Unternehmen sind sehr robust. Darüber hinaus reden wir mit unseren Kunden noch intensiver über die Finanzierung. Und ich muss auch festhalten, dass wir bei den Sicherheiten strenger geworden sind.

 

Gehen Sie davon aus, dass der derzeitige Aufschwung länger hält?


Ich glaube schon. Es gibt mehrere Faktoren, die dafür sprechen: die niedrigen Zinsen, die Exporterfolge und die Konsumlaune der Bevölkerung.

 

Teufelberger, Agilox: Die RLB scheint wieder Lust auf Firmenzukäufe und Beteiligungen bekommen zu haben. Vergrößern Sie jetzt wieder Ihr Beteiligungsreich?


Das sieht vielleicht jetzt so aus, weil wir innerhalb kurzer Zeit mehrere Projekte bekannt gegeben haben. Tatsache ist, dass wir eine sehr gute Kapitalbasis und in unseren Beteiligungsgesellschaften noch Reserven haben.

 

Wie hoch sind diese Reserven?


Rund 100 Millionen Euro bei der Invest AG.

 

Die Neustrukturierung des Raiffeisen-Reichs hat mit der Fusion von RZB und RBI ihren Anfang genommen. Was trotz Ankündigung für Jänner noch immer nicht erledigt ist, ist die Bildung einer Steuerungsgruppe der Landesbanken, wo es darum geht, wichtige Dinge wie etwa das Marketing für alle zu koordinieren. Hier soll es sich gewaltig spießen?


Da wird sehr viel hineininterpretiert. Tatsache ist, es gibt bereits eine gute Kooperation auf vielen Ebenen.

 

Ihnen nicht so Wohlgesinnte bei Raiffeisen werfen Ihnen vor, Sie wollten mit diesem Steuerungsgremium die Macht übernehmen. Spießt es sich deshalb?


Nein, wir lassen uns Zeit und arbeiten noch die Details aus. Ich gehe davon aus, dass wir bald wissen werden, wie die Struktur dieses Gremiums aussehen soll.

 

Was sagen Sie zum kolportierten Vorwurf, Sie wollten ein zweiter Ludwig Scharinger werden und Raiffeisen Wien und Niederösterreich in die Schranken weisen?


Da lache ich nur. Es geht darum, gemeinsam etwas weiterzubringen.

 

Die RLB hat auch die Anteile an der Hypo Salzburg aufgestockt. Was war das Motiv?


Das Land Salzburg hat uns diesen Anteil angeboten. Wir haben zugegriffen, weil sich damit weitere Synergien heben lassen.

 

Bis hin zu einer Fusion in die RLB?


Die sehe ich derzeit nicht.

 

Sie werden noch heuer entscheiden, was Sie mit der Zentrale der RLB beim Linzer Südbahnhof machen. Was steht zur Debatte?


Eine Sanierung oder ein Neubau.

 

Aber der Südbahnhof bleibt die Heimat der RLB.


Wir stellen uns das derzeit so vor.

 

Wenn man das vergangene Geschäftsjahr genauer betrachtet, war es sehr erfreulich für Sie. Trotz niedriger Zinsen. Wie läuft es heuer?


Ich erwarte für das laufende Jahr ein weiteres Wachstum. Das hängt wie im Vorjahr auch von den jeweiligen Bewertungen nach IFRS ab. Aber wir sind sehr zufrieden mit der derzeitigen Entwicklung.

 

Gibt es irgendwann so etwas wie Zufriedenheit, wenn man Chef einer so großen Bank ist?


Zufrieden ist man nie. Aber wenn die Kunden ein hohes Maß an Zufriedenheit zeigen und dies im Umfeld einer florierenden Region passiert, ist das schon erfreulich.

 

Ihre Kunden, die oberösterreichischen Industriebetriebe, waren in den vergangenen Jahren mit der Landespolitik nicht so zufrieden. Hat sich das durch jüngste Bewegungen in der Landespolitik geändert, mit Landeshauptmann Thomas Stelzer und Stellvertreter Michael Strugl?


Wenn jemand neu beginnt, kann er neue Akzente setzen. Da sehe ich gute Ansätze.

 

Dietmar Mascher     www.nachrichten.at


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