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Der Seilbahnbauer Leitner hat in Pisa eine Stadtseilbahn errichtet. Die Kosten für das 72 Mio. Euro teure Projekt tragen überwiegend Leitner und seine Partner, die das öffentliche Verkehrsmittel auch selbst betreiben.

 

Pisa, Sterzing, Telfs – Der Südtiroler Seilbahnbauer Leitner feierte die Einweihung des „Pisa Movers“, einer Minimetro, die den Flughafen mit dem Bahnhof der toskanischen Stadt Pisa verbindet. Die 1,8 Kilometer lange Verbindung wurde in Anwesenheit italienischer Politprominenz, die sich für die Investition in Höhe von 72 Millionen Euro feierte, eingeweiht.

 

Dabei hat die öffentliche Hand in Italien keinen Cent zur Verwirklichung des urbanen Verkehrsprojektes beigetragen. Mehr als 50 Mio. Euro hat die Leitner Gruppe gemeinsam mit ihrem Partner, dem Bauriesen Condotte d’Acqua, in die Verwirklichung des Projektes investiert. Zusätzlich kamen rund 20 Mio. Euro von der EU. Das Konsortium aus Leitner und Condotte tritt in den kommenden 33 Jahren auch als Betreiber der Standseilbahn auf. Erst danach geht die Konzession auf die Gemeinde Pisa über.

 

In Zeiten klammer öffentlicher Kassen in Italien sind Public-Private-Partnership-Projekte eine wichtige Möglichkeit, die öffentliche Infrastruktur zu erneuern. „Die öffentliche Hand hat nicht die Möglichkeit, solche Projekte zu verwirklichen“, erklärte der Vizebürgermeister Pisas, Paolo Ghezzi, im TT-Gespräch.

 

Für die Stadt ist die Standseilbahn von Leitner zentral für das neue Verkehrskonzept, das den Pkw-Verkehr deutlich verringern soll. Jährlich besuchen 4,1 Millionen Touristen (2,5 Mio. Tagesgäste und 1,6 Mio. Nächtigungen) Pisa, um einen Blick auf den berühmten schiefen Turm zu werfen. Der Tourismus und 60.000 inskribierte Studenten lassen die Einwohnerzahl von 90.000 täglich auf das Doppelte anschwellen. Dazu kommt, dass der Flughafen von Pisa die wichtigste Drehscheibe für Billigflieger in der Region ist und jährlich fünf Millionen Passagiere abfertigt. „Ziel ist es, eine Million Leute im Jahr, die bisher mit dem Auto nach Pisa gekommen sind, in den Pisa Mover zu bringen“, sagt Ghezzi. Die Minimetro soll jährlich zwischen 1,8 und drei Millionen Passagiere befördern. Vor allem Umweltaspekte hätten laut dem Vizebürgermeister für die Standseilbahn gesprochen: „Die Bahn zeichnet sich durch einen geringen Energieverbrauch und eine niedrige Geräuschentwicklung aus.“

 

Die Strecke zwischen Bahnhof und Flughafen wird mit einem Zwischenstopp am Pendlerparkplatz mit 1400 Stellplätzen in 4,5 Minuten zurückgelegt. Pendler aus der Region können für 2,50 Euro pro Tag ihr Auto abstellen und rasch mit dem Pisa Mover ins Zentrum gelangen. Die beiden Züge mit einer Kapazität von rund 200 Personen fahren im Fünf-Minuten-Takt.

 

Die wesentlichen Bauteile der Minimetro wurden in den Leitner-Werken in Telfs und im Südtiroler Sterzing gebaut.

 

Leitner verändert sich damit zunehmend vom reinen Anbieter von Seilbahnen hin zum Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel. „Dieser Bereich wird immer wichtiger für uns“, sagt Anton Seeber, Präsident der Leitner-Gruppe, die in Innsbruck mit der Hungerburgbahn bereits ein ähnliches Projekt umgesetzt hat. Als Zeichen für ein schwindendes Bergbahnengeschäft will Seeber die Ausrichtung auf städtische Projekte aber nicht verstanden wissen: „Es geht darum, den innerstädtischen Verkehr effizienter zu lösen. Unsere Bahnen zeichnen sich durch niedrige Investitions- und Betriebskosten aus. Eine Stadtseilbahn verkürzt die Wege zudem um bis zu 45 Minuten“, erklärt Seeber, der sich auch in Innsbruck ähnliche Projekte vorstellen kann. „Eine solche Lösung könnte die Erreichbarkeit von Außenbezirken verbessern.“ Grenzen sind nur durch die Höchstreichweite von zehn Kilometern gesetzt.

 

Mittelfristig erscheint ein weiteres Projekt in Pisa wahrscheinlicher. Laut Ghezzi überlege man, auch den fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Stadtteil Pisa Nova an einen Pisa Mover anzubinden. Die Leitner-Gruppe beschäftigt weltweit rund 3100 Personen, davon 800 in Sterzing und 200 im Leitner-Werk in Telfs. Der Umsatz betrug zuletzt 726 Mio. Euro. Die Investitionskosten in Pisa sollen sich spätestens in 21 Jahren amortisiert haben.

 

Von Stefan Eckerieder       www.tt.com


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