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STEYR. Die Nachfrage ist in allen Branchen gut. Das Werk ist voll ausgelastet - und investiert in einem Spezialbereich. Die Keramik-Rollen-Fertigung wird vervielfacht.

 

Das Wälzlager-Werk des schwedischen SKF-Konzerns kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beschweren. „Es geht uns extrem gut. Im ersten Quartal hatten wir das höchste, jemals erreichte Produktionsniveau. Im heurigen Jahr werden wir einen Produktionsrekord mit mehr als 6,5 Millionen Wälzlagern haben“, sagt Österreich-Chef Franz Hammelmüller im OÖN-Gespräch.

 

Die Belegschaft macht an Samstagen derzeit Überstunden, dazu kommen derzeit mehr als 100 Leasingkräfte. 850 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, 740 davon in der Produktion. SKF-Wälzlager aus Steyr werden in industriellen Anwendungen wie Kompressoren, Pumpen, in Lokomotiven, Fahrzeugen und in der Windkraft eingesetzt. „Alle Nachfragebereiche sind derzeit stark“, sagt Hammelmüller.

 

Drei bis vier Monate im vorhinein kann der Manager die Entwicklung voraussehen. Entsprechend vorsichtig ist er freilich, was die langfristige Perspektive betrifft. Windwelt in Steyr zu Gast Gestern hat SKF fast 60 Experten aus der globalen Windkraft-Fachwelt in Steyr zu Gast gehabt. Ihnen wurden einen Tag vor einer großen Konferenz in Wien technologische Entwicklungen präsentiert, etwa Beschichtungen und Hybridlager. Hybridlager sind mit keramischen Kugeln oder Rollen statt welchen aus Stahl ausgestattet. Gerade in Windmühlen werden diese viel teureren Lager eingesetzt, weil sie hohe Drehzahlen bei perfekter Isolierung ermöglichen.

 

Derzeit machen diese Lager erst rund acht Prozent des Umsatz aus. Das Potenzial sei aber groß, weil diese Kombination noch relativ jung ist. „Wir zeigen neue Lösungen und präsentieren unser Service Center, das gebrauchte Wälzlager überholt. Diese lebensdauerverlängernde Maßnahme ist in der Branche noch nicht üblich, sagt Hammelmüller. Die Keramik-Rollen spielen bei SKF in Steyr – wo auch die weltweite Entwicklungsverantwortung für dieses Thema angesiedelt ist – bald eine noch wichtigere Rolle. Sieben Millionen Euro werden in die Vergrößerung der Keramik-Rollen-Erzeugung investiert. „Das ist schon bedeutend, immerhin muss ich im Konzern um jede Million Investitionssumme kämpfen“, erläutert Hammelmüller die gegenüber anderen Branchen vergleichsweise kleine Investitionssumme.

 

Eine Zahl verdeutlicht aber die Dimension dieses Ausbaus: Im Vorjahr hat SKF erst 150.000 dieser exakt geschliffenen Rollen erzeugt. Mit der Erweiterung können bis zu drei Millionen dieser kleinen Rollen – die eine Dimension bis zur Größe einer Espresstasse haben – hergestellt werden. Nicht alle Rollen werden in Steyr in Wälzlager verbaut, ein Teil wird an Schwesterwerke gehen. Ein dritter Teil wird extern verkauft. Ein Automobilkonzern möchte diese Keramikrollen in Einspritzdüsen einbauen und fragt, „wann wir endlich liefern können“, sagt Hammelmüller.

 

Sigrid Brandstätter      www.nachrichten.at


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