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Der deutsche Generika-Hersteller Stada wird für mehr als 5 Milliarden Euro an Finanzinvestoren verkauft. Pharma-Manager Claudio Albrecht zog im Hintergrund die Fäden.

 

Bad Vilbel, Zug – Der deutsche Pharma-Konzern Stada wird amerikanisch-britisch – und das mit Tiroler Beteiligung im Hintergrund. Die zwei Finanzinvestoren Bain (USA) und Cinven (Großbritannien) haben am Montag einen zähen Übernahmepoker gegen ein anderes Investoren-Duo für sich entschieden. Das teilte der börsenotierte Konzern gestern mit. Nachdem das Konsortium nochmals deutlich nachgebessert hatte, bietet es nun 5,3 Mrd. Euro für den Produzenten von Mitteln wie „Grippostad“ und „Ladival“. Das sind rund 750 Mio. Euro mehr, als Cinven anfangs auf den Tisch legen wollte.

 

Wie die TT exklusiv erfuhr, zog hinter den Kulissen auch der Tiroler Pharma-Manager Claudio Albrecht bei dem Deal die Fäden. Der ehemalige Ratiopharm-Boss und frühere Chef des Generika-Herstellers Actavis habe mit seiner Schweizer Beratungsfirma „Albrecht Prock & Partners“ (AP&P) den britischen Investor Cinven bei dem gesamten Verkaufsprozess von Anfang an begleitet, sagte eine mit dem Deal vertraute Person der TT. Albrecht selbst äußerte sich dazu gestern nicht.

 

Dem Tiroler wird Gerüchten zufolge auch Interesse am Chefsessel von Stada nachgesagt. Demnach könnte er nach einem erfolgreichen Abschluss des Geschäfts das Ruder übernehmen, verlautete aus informierter Quelle. In einem Medienbericht war Albrecht bereits im vergangenen Sommer einmal als möglicher Anwärter auf den Top-Job bei Stada gehandelt worden.

 

Der amtierende Vorstandschef Matthias Wiedenfels ließ gestern freilich wissen, dass er seinen Job behalten will. Er habe „große Lust“, seine Pläne auch mit den neuen Eigentümern umzusetzen, sagte er.

 

Der deutsche Konzern beschäftigt aktuell rund 10.000 Mitarbeiter in 29 Ländern. Ende März hatte das Unternehmen mitten in der Übernahmeschlacht einen Gewinneinbruch gemeldet. Der Gewinn fiel im Vorjahr um 22 Prozent auf 85,9 Mio. Euro, bei einem Umsatz von etwa 2,1 Mrd. Euro. Vor diesem Hintergrund ist der Kaufpreis von 5,3 Mrd. Euro viel mehr, als Analysten und Börsianer dem Vorstand und Aufsichtsrat von Stada zugetraut hatten – Letztere zeigten sich gestern auch sehr erfreut über den Deal.

 

Falls die neuen Eigentümer wie geplant auf mehr als 75 Prozent an dem Konzern kommen, ist dies die größte Übernahme, die Finanzinvestoren in Deutschland je bewerkstelligt haben. Sie wollen bei Stada auf Wachstum setzen, auch durch Übernahmen. Einen größeren Jobabbau soll es – zumindest vorerst – nicht geben.

 

Claudio Albrecht führt seit 2013 gemeinsam mit seinem Tiroler Co-Chef Peter Prock die Beratungsfirma AP&P in Zug. Albrecht war bis 2005 Chef von Ratiopharm, das mittlerweile zur israelischen Teva gehört. Später sanierten er und Prock den schweizerisch-isländischen Hersteller Actavis. Diesen verkauften sie 2012 für 4,5 Mrd. Euro an die US-Firma Watson.

 

Von Nina Werlberger           www.tt.com


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