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Australien ist in Europa für Kängurus, Strände und unendliche Weiten bekannt. Dass das ferne Land ein wirtschaftlicher Musterschüler ist, blieb vielen verborgen. Australien steht nun kurz vor einem bemerkenswerten Rekord in der Industrieländer-Organisation OECD.

 

Wenn das laufende Quartal am 30. Juni endet, wird die Volkswirtschaft 26 Jahre ohne Rezession überstanden haben. In den vergangenen fünf Jahren betrugen die Wachstumsraten starke zwei bis 3,6 Prozent. Bisher hielten den Rekord die Niederlande.

 

Was steckt hinter dem Wirtschaftswunder? Australien ist reich an Bodenschätzen wie Kohle, Erz und Gas. Die Nachfrage nach Rohstoffen und Agrarprodukten treibt die Konjunktur. Vor allem das nahe China sichert den Australiern ihren Wohlstandsgewinn. Ein Drittel der Exporte geht heute in die Volksrepublik, 1991 waren es zwei Prozent. Wirtschaftsprofessor Saul Eslake von der Uni Tasmanien: "Außer China selbst hat in den vergangenen drei Jahrzehnten kein Land auf der Welt so sehr von Chinas Wachstum und seiner Industrialisierung profitiert wie Australien."

 

Weil die Produktionskosten gering sind, hat das Land zuletzt nicht so stark unter den gesunkenen Rohstoffpreisen gelitten. Marktanteile wurden gewonnen. Auch haben Australiens Politiker früh Freihandelsabkommen mit vielen asiatischen Ländern wie China geschlossen.

 

Wenn die Wirtschaft doch einmal stottert, nutzt Australien wiederum die Chinesen als Ventil. Sie investieren in Australien viel Geld in Bau, Immobilien und Beteiligungen. "Das ist ein Balanceakt, der noch eine Zeit gut gehen kann, aber auch zu politischen Diskussionen führt", sagt Karl Hartleb, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Sydney. Nicht mehr jeder Einstieg wurde chinesischen Investoren zuletzt erlaubt.

 

Große Bedeutung hat in Australien der Bildungssektor. "Es werden Schüler und Studenten gezielt ins Land hereingeholt. Sie sind auch Devisenbringer", sagt Hartleb. Hier liegt China ebenfalls an erster Stelle. Die Vorgangsweise passt zur strikten Immigrationspolitik Australiens. Es werden Leute hereingelassen, die dem Land etwas bringen.

 

Dass Australien nicht einmal in der Weltfinanzkrise 2008/09 in die Rezession stürzte, hat es dem stabilen Finanzsektor zu verdanken, der stark auf das Inlandsgeschäft fokussiert ist und von den US-Banken nicht angesteckt wurde.

 

Von der Mentalität her sind die Australier den Amerikanern ähnlich, was teils der Konjunktur hilft. Es wird gerne konsumiert. Kredite aufzunehmen, gehört dazu. Hauskauf bedeutet Altersvorsorge.

 

Reformen vernachlässigt

 

Trotz des Rekords ist nicht alles eitel Wonne, warnen Kritiker in Australien. Die Abhängigkeit von China sei zu groß. Sollte das asiatische Land in eine Krise taumeln, würde man das massiv spüren.

 

Während Australien früher viele wichtige Reformen – wie auf dem Arbeitsmarkt – umsetzte, ist die Politik nun träge geworden. Der Staat schreibt Defizite, die Produktivität in der Wirtschaft steigt nicht genug, und es fehlt eine Energiestrategie. Seit 2010 gab es in Australien fünf verschiedene Ministerpräsidenten.

 

Österreich steigerte zuletzt die Exporte nach Australien laut Hartleb um 35 Prozent. Der Handelsbilanzüberschuss beträgt 900 Millionen Euro. Australien ist pro Kopf sogar der wichtigste Übersee-Markt.

 

Alexander Zens        www.nachrichten.at

 


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