Elektro-Lastkraftwagen in der Nacht mit dem Photovoltaik-Strom, der untertags erzeugt wurde, aufladen: Das soll beim Logistikunternehmen Schachinger aus Hörsching noch heuer Realität werden. Im Herbst soll dort der bisher größte Batteriespeicher Österreichs in Betrieb gehen. Mit einer Kapazität von 60 Megawattstunden (MWh) und einer Anschlussleistung von 30 MWh ist es auch in Europa der größte Speicher, der für ein Logistikunternehmen gebaut wird.
Am Schachinger-Gelände in Hörsching sind jeden Tag Hunderte Fahrzeuge unterwegs. Das Unternehmen selbst will komplett auf Elektrofahrzeuge umstellen, seit Anfang 2026 werden bei den Lkw keine neuen Verbrenner mehr angeschafft. Für Pkw gilt das schon seit fünf Jahren. Dafür gebe es auch Kostengründe: Rund 13 Millionen Euro werden jährlich für Diesel ausgegeben, sagt Johannes Wöckinger, Projektleiter bei Schachinger Logistik.
Durch den Umstieg zur Elektromobilität steigt der Strombedarf, dazu kommen die Preisschwankungen: „Externes Laden ist zu teuer und wenig planbar.“ Der Batteriespeicher wird deshalb an den firmeneigenen Solarpark, der über eine Leistung von acht Megawatt verfügt, gekoppelt. Damit sollen künftig 95 statt 30 Prozent der grün erzeugten Energie am Standort genutzt werden können.
Projekt kostet 20 Millionen Euro
Mit dem „Leuchtturmprojekt“ wolle man Vorreiter in der Logistikbranche sein: Rund 30.000 Tonnen CO2, die jedes Jahr durch die Verbrenner-Fahrzeuge am Standort entstehen, sollen wegfallen. Die Elektro-Lkw von Schachinger hätten mittlerweile eine Reichweite zwischen 400 und 500 Kilometern (Winter/Sommer). Die Strecke zwischen Hörsching und dem Standort in Wiener Neudorf könne also problemlos ohne Ladevorgang absolviert werden.
Auch die Ladeinfrastruktur vor Ort soll verbessert werden: Mit mehr als 40 Schnellladepunkten will man Partnern, wie etwa Paketdiensten, die Möglichkeit geben, ihre Fahrzeuge aufzuladen. Die Kosten für die Infrastruktur und die neuen E-Fahrzeuge – rund fünf Millionen Euro – trägt Schachinger.
Zwölf Container aus China
Für die Errichtung des Großspeichers, der 15 Millionen Euro kostet, kommt die Welser Firma Powerlink H2 auf. Sie hat sich auf Energiemanagement und Speicherlösungen spezialisiert. Die übrige Speicherkapazität, die nicht von Schachinger genutzt wird, wird am Regelenergiemarkt angeboten. Hauptabnehmer ist die Verbund-Tochter APG, die das Übertragungsnetz betreibt. Langfristig soll der Großbatteriespeicher in das Eigentum von Schachinger übergehen. In weniger als zehn Jahren werde sich die Anlage wirtschaftlich rechnen, sagt Werner Steinecker. Der ehemalige Energie-AG-Generaldirektor ist einer der Eigentümer von Powerlink H2.
Wie wird der Batteriespeicher aussehen? Die Anlage umfasst zwölf Container, sechs Meter lang und 42 Tonnen schwer. Der Speicher basiert auf Lithium-Eisenphosphat-Technologie. Die Container werden in China produziert und kommen per Schiff nach Europa, sagt Steinecker. Bei Steuerung und Schaltung würde man nur Produkte von europäischen Herstellern verwenden. Das Projekt habe bereits zu Anfragen aus Deutschland und der Schweiz geführt. Der Mitbewerb dürfe gerne kopieren, sagt man bei Schachinger. Das Unternehmen beschäftigt an 18 Standorten mehr als 700 Mitarbeiter. Zuletzt wurden 350 Millionen Euro umgesetzt.
