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Die heimischen Automobilzulieferer kämpfen seit 2018 mit einem schwierigen Markt. Der Corona-Shutdown brachte eine Vollbremsung. Aus der heraus beschleunigen die Unternehmen jetzt sogar etwas schneller, als sie ursprünglich erwartet haben.

 

Der wichtigste Neuwagen-Markt der Welt ist China. Dort erfolgt die Erholung rascher als gedacht. Das zeigen Zahlen des chinesischen Herstellerverbandes. Unterm Strich dürften die Autokonzerne nur um zehn bis 20 Prozent weniger Autos an die Händler ausliefern als im Vorjahr. Angesichts der Corona-Epidemie nicht so schlimm wie befürchtet.

 

Für die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW ist das Reich der Mitte der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt. Und die vergleichsweise guten Nachrichten von dort kommen in Form von steigenden Abrufen seit einigen Wochen bei den heimischen Zulieferern an.

 

Lange war befürchtet worden, dass die Werksferien in den deutschen Autofabriken – deren Dauer stets als Gradmesser für die Situation der Branche genommen werden – überlange ausfallen. Das tun sie nur in einzelnen Werken. So sperrt Ford sein Werk in Köln laut deutschen Medienberichten sieben Wochen zu. Bei etlichen anderen Werken sind es wie üblich zwei bis drei Wochen.

 

Werksferien als Bedrohung

 

Eine Ausnahme bildet Jaguar in Großbritannien. Dort stehen die Werke seit März still. Ein Wiederanfahren sei erst für Mitte August in Aussicht gestellt, ist bei heimischen Zulieferern zu hören. Damit steht die Produktion volle fünf Monate. "Das Bild ist uneinheitlich, und die Werksferien sind heute weniger Drohgespenst als vor vier Wochen", sagt Peter Wienerroither vom Kirchdorfer Gießereispezialisten TCG Unitech.

 

Peter Sticht von Stiwa ergänzt: "Mich interessieren die Werksferien weniger als die Abrufe. Diese stimmen uns zuversichtlich." Wobei alle heimischen Teilelieferanten noch weit weg vom Normalbetrieb sind. Bei Stiwa gibt es die dringende Empfehlung, den einwöchigen Betriebsurlaub um eine Woche zu verlängern.

 

Bei BMW in Steyr stehen die Produktionsbänder zwei Wochen still – wie im Vorjahr. "Eine komplette Werksschließung gibt es nicht", sagt Betriebsratschef Andreas Brich. Auch beim größten Motorenwerk von BMW mit mehr als 4000 Beschäftigten fehlen konkrete Aussichten für das vierte Quartal. "Wir sind vorsichtig optimistisch", sagt Brich.

 

„Wir sind bei Neuentwicklungen dabei“


Peter Sticht, Geschäftsführer Stiwa Holding, Attnang-Puchheim:
Noch ist der Zulieferer Stiwa mit seinen Werken in Oberösterreich in Kurzarbeit. Teilweise gelinge es, wochenweise zuzusperren, was die Kostenseite entlaste. 650 Mitarbeiter sind in den Produktionen beschäftigt. Weil die mit dem Anlagenbau (für die Autokonzerne) verbundenen Entwicklungsprojekte weiter laufen, ist Sticht für den Herbst zuversichtlich. „Wir sind bei neuen Sachen dran“, sagt Sticht.

 

„Wenn der Autohandel nicht anspringt, sehe ich schwarz“


Johannes Hödlmayr, Aufsichtsratsvorsitzender Hödlmayr, Schwertberg:
„Ich fürchte um den Absatz. Wenn der Autohandel nicht anspringt, sehe ich schwarz“, sagt Johannes Hödlmayr, dessen Logistikunternehmen Neuwägen von den Werken zu den Händlern bringt. In Österreich hängen 315.000 Jobs von der Wertschöpfungskette Automobil ab. In West- und Osteuropa gibt es 102 Autofabriken. 82 Prozent der Werke würden wieder laufen – aber teilweise nur einschichtig.

 

„Ich bin froh, dass es ist, wie es ist“


Peter Wienerroither, GF TCG Unitech, Kirchdorf:
„Wir haben schwache Monate hinter uns. Seit Juni schaut es aus, als ob sich der Markt erfangen würde. Das geht schneller, als ich erwartet hätte“, sagt Wienerroither mit 1050 Mitarbeitern in vier Werken im Kremstal. In diesen werde – je nach Kunden – zwischen 70 und 80 Prozent gearbeitet. Bis September sei Kurzarbeit beantragt. Die Nachfrage in China sei bereits „sehr schön“. Wienerroither blickt optimistisch auf die nächsten Monate – obwohl die konkreten Bestellungen der Hersteller sehr kurzfristig erfolgen. „Ich bin froh, dass es so ist, wie es ist.“

 

„Es braucht wieder Vertrauen“


F. Peter Mitterbauer, Vorstandschef Miba, Laakirchen:
„Die Auftragslage bessert sich seit Juni leicht“, sagt F. Peter Mitterbauer. Eine langfristige Prognose sei schwierig. „Eine echte Erholung hängt von der Rückkehr des Konsumentenvertrauens ab.“ In den Werken in Österreich mit 2700 Mitarbeitern wird bis September kurz gearbeitet. Freiwillig zahlt Miba seiner Belegschaft statt 80 nun 90 Prozent Nettoersatzrate.

 

„Juni ist besser gelaufen als erwartet“


Markus Huemer, Vorstandschef Polytec, Hörsching:
Mit minus 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr sei der Juni viel besser gelaufen als erwartet, berichtet Huemer, der in Hörsching ein Autozulieferwerk und etliche in Deutschland betreibt. Nach etlichen Firmenzukäufen konsolidiert Polytec schon seit 2018 seine Standorte. Fünf Werksschließungen in Deutschland, der Türkei und in den Niederlanden führen dazu, dass in den verbliebenen jetzt genug Arbeit ist und die Fixkosten gedrückt werden konnten.

 

 

Von Sigrid Brandstätter         www.nachrichten.at


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