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"Die chemische Industrie muss sich vor einer breiten Öffentlichkeit laufend rechtfertigen, dass sie der Umwelt schadet. Der Branche hat das aber letztlich geholfen, sich weiterzuentwickeln und innovativ zu bleiben", sagt Wolfgang Lux bei einem Branchengespräch der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Der Geschäftsführer des Leondinger Rohrherstellers Poloplast ist gleichzeitig der Sprecher der chemischen Industrie.

 

Innovationen etwa bei Kunststoffen seien aus dem Alltag längst nicht mehr wegzudenken und würden eine Vielzahl an Produkten leichter und somit umweltfreundlicher machen. Das betrifft Fahrzeuge ebenso wie zum Beispiel die Abwässer und Lüftungsrohre der Poloplast. "Es gibt einen massiven Wechsel hin zu Kunststoffrohren, weil sie auch langlebiger sind", sagt Lux. 200 Jahre müssten Kanalrohre mittlerweile durchhalten. Die Nachfrage beschert dem Leondinger Unternehmen ein konstantes Wachstum. "Wir haben eine Innovations- und Investitionsphase, wie ich sie in meiner Karriere noch nie erlebt habe", sagt Lux. Poloplast erzielte zuletzt einen Umsatz von 108 Millionen Euro. Heuer steigt der Personalstand von 387 auf 450 Mitarbeiter.

 

Zu den Schwergewichten in Oberösterreichs chemischer Industrie gehört die Borealis, die im Linzer Chemiepark 1200 Mitarbeiter beschäftigt und nicht ganz eine Milliarde Euro Jahresumsatz erwirtschaftet. 400 Mitarbeiter sind in Linz allein in der Forschung beschäftigt. Das Geschäft der Borealis fußt auf zwei Standbeinen: Den derzeit unter Druck stehenden Pflanzennährstoffen und dem Melamin, das zu Laminatböden, Küchen und Lacken verarbeitet wird. "Kunststoff muss gegen Vorurteile ankämpfen. Die Verschmutzung der Meere ist kein Ergebnis der Strategie der chemischen Industrie, sondern mangelhafter Entsorgung", sagt Jürgen Mader, Standortchef der Borealis in Linz. Sein Konzern engagiere sich deshalb in Entwicklungsländern wie Malaysien, damit Plastik nach Gebrauch nicht im Meer, sondern im Sammelsystem lande.

 

Von DSM zu ThermoFisher

 

Ein Nachbar der Borealis im Chemiepark ist ThermoFisher. Das Unternehmen ist aus der Aufspaltung der DSM entstanden, hieß zunächst Patheon und wurde im Vorjahr vom US-Konzern ThermoFisher erworben. "Wir investieren schon fünf Jahre hindurch 30 Millionen Euro jährlich", berichtet Technikchef Ulrich Wieltsch. Das hoch innovative Unternehmen produziert Wirkstoffe für Pharmakonzerne, wobei ein Trend klar erkennbar sei: "Medikamente werden spezifischer und dadurch die Volumina kleiner." Auf einer einzelnen Anlage würden heute bis zu zehn verschiedene Wirkstoffe produziert. 750 Mitarbeiter sind in Linz bei ThermoFisher tätig.

 

Susanne Dickstein               www.nachrichten.at


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