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Die produzierenden Betriebe brauchen derzeit viel weniger Rohstoffe und somit auch recycelte Rohstoffe. Das bringt viele Unternehmen in der Branche in große Schwierigkeiten, sagt Werner Knausz, Vorstand der Altstoff Recycling Austria (ARA), des staatlichen Sammelsystems. "Der Recycling-Kreislauf ist verstopft. Jetzt haben wir eine viel ernstere Situation als damals in der Finanzkrise 2008/09, wo wir als ARA die Sortierer und Verwerter durchfinanziert haben und Lagerhaltung bezahlt haben."

 

Als Beispiel nennt er den Welser Recycling-Betrieb WKR von Gerhard Walter, der derzeit geschlossen hat. Die Lager seien voll, kein Kunde bestelle derzeit recyceltes Material, sagt Geschäftsführer Jörg Schneeberger. Allein im Werk in Wels werden jährlich bis zu 35.000 Tonnen Material verarbeitet. Die WKR beschäftigt 45 Mitarbeiter, sie sind in Kurzarbeit. Schneeberger: "Die erste Bremsung kam bereits im Dezember mit der Krise in China", seit März gebe es eine Vollbremsung. Schneeberger: "Ich sehe die Gefahr, dass der Öko-Gedanke in den Hintergrund rückt." Auch der tiefe Ölpreis spiele eine Rolle.

 

Jetzt brauche man viel stärkere Maßnahmen, sonst könnte eine Pleitewelle folgen – wie damals in Deutschland, wo 40 Prozent der Recycler aus dem Markt geflogen sind. Der Markt gewerblicher Abfälle sei völlig eingebrochen. Es fallen weniger Altstoffe an, zugleich werden weniger Recycling-Stoffe für die Produktion eingesetzt.

 

Das hilft zwar den Entsorgern, weil diese so die höheren Abfallmengen aus den Haushalten leichter verwerten können. Allerdings besteht in Oberösterreich derzeit ein spezieller Engpass. Weil in Hörsching die Sortieranlage der Energie AG abgebrannt ist, fehlt eine Sortierkapazität von 30.000 Tonnen. Diese Abfallmengen werden derzeit in andere Bundesländer, sogar bis ins Burgenland gebracht, um dort aussortiert zu werden.

 

70 Millionen Euro gefordert

 

Die Covid-19-Schutzmaßnahmen verringern ebenfalls die Sortierkapazitäten, weil von Drei- auf Zweischichtbetrieb oder noch weniger umgestellt wurde, um die Teams ausfallsicherer zu machen.

 

Knausz hat bereits Gespräche mit der Bundesregierung geführt. Er schlägt vor, mit Bund und Gemeinden eine Corona-Förderung in Höhe von 70 Millionen Euro auf die Beine zu stellen. Das sollten einerseits Zuschüsse für die hohen Fixkosten-Anteile (für die Lagerhaltung) und zum anderen Liquiditäts-Überbrückungshilfen sein.

 

 

Von Ulrike Rubasch und Roland Vielhaber                   www.nachrichten.at


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