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"Die steigende Zahl an Hitzetagen und tropische Nächte erhöhen die Nachfrage nach Fernkälte", sagte Linz-AG-Generaldirektor Erich Haider am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Das Unternehmen baut deshalb das Fernkältenetz um insgesamt acht Millionen Euro aus. Fernkälte soll unter anderem aus Fernwärme erzeugt werden.

 

Insgesamt ersetzt die Fernkälte österreichweit bereits 50.000 herkömmliche Klimaanlagen ("Split"-Geräte), 19.000 Tonnen CO2 werden auf diese Weise eingespart, heißt es seitens des heimischen Fachverbands der Gas- und Wärmeversorger. Auch die Linz AG forciert diese innovative Lösung zur Gebäudeklimatisierung. Diese soll laut Bürgermeister und Linz-AG-Vorstandsvorsitzenden Klaus Luger nach Vorbild der Fernwärme mit heute rund 80.000 Anschlüssen sukzessive ausgerollt werden.

 

Neue Zentrale auf Wick-Areal

 

So besteht seit 1993 eine Fernkältezentrale im Donaupark, wo das Drainagewasser der Donau zur Kühlung genutzt wird. Von hier aus werden das Brucknerhaus und das Krankenhaus der Elisabethinen versorgt. Ein zweiter Strang verläuft in der Friedhofstraße, der unter anderem das Musiktheater klimatisiert. Nun soll die Anlage im Donaupark um drei Millionen Euro ausgebaut und ihre Leistung stufenweise von 5,2 auf neun Megawatt im Jahr 2023 hochgefahren werden.

 

Eine weitere Fernkältezentrale mit fünf Megawatt und um fünf Millionen Euro entsteht bis 2024 an der Wiener Straße, und zwar auf dem ehemaligen "Josef Wick & Söhne"-Areal. Die Antriebsenergie kommt in diesem Fall aus dem Fernwärmenetz – die eingesetzte Fernwärme ist wiederum ein Produkt der thermischen Verwertung von Abfall. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Aus Abfall wird Fernwärme, aus Fernwärme wird Fernkälte.

 

"Diese Technologien sind nachhaltig und senken im Vergleich zu herkömmlicher Eigenkälteerzeugung in den Kundenanlagen den Stromverbrauch um bis zu zwei Drittel", sagt Energievorstand Josef Siligan.

 

Derzeit werden vor allem öffentliche Bauten und große Bürokomplexe (Tabakfabrik, Lux-Tower) mit Fernkälte versorgt. Die Linz AG will die Technologie aber auch auf den Wohnbau ausrollen und sucht Wohnungsgenossenschaften als Partner. Für Mieter sollen die Betriebskosten vergleichbar mit jenen der Fernwärme sein – und bei dieser habe die Linz AG die niedrigsten Preise bundesweit, sagte Generaldirektor Haider.

 

In ganz Österreich hatte das Fernkältenetz Ende 2019 laut Fachverband eine Länge von 22 Kilometern. Bei Fernkälte fließt das auf sechs Grad Celsius abgekühlte Wasser von der Fernkältezentrale durch isolierte Rohre über das Fernkältenetz zum Kunden. Dort gibt das Wasser die Kälte in den zu kühlenden Gebäuden ab. Mit etwa 16 Grad Celsius fließt das Wasser wieder in die Fernkältezentrale zurück, wo es neuerlich abgekühlt wird. Wie bei Fernwärme werden die Objekte in der Regel zentral versorgt. Für die Abkühlung werden hocheffiziente, mit Strom betriebene Kompressoren oder mit Wärme betriebene Absorber verwendet. Sinnvoll ist der Einbau vor allem bei Neubauten. (viel)

 

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