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WIEN / LINZ. Die Shops der Einzelhändler verlieren Umsätze, die Konkurrenz der Online-Händler legt weiter zu. Am stärksten hat es im vergangenen Jahr die niedergelassenen Händler von Elektrogeräten, Computern und Fotoartikeln getroffen:

 

 

Sie mussten ein Umsatzminus von 1,6 Prozent hinnehmen. Schuld daran waren sinkende Preise, die nachlassende Konjunktur und die nach wie vor hohen Wachstumsraten des Internet-Handels.

 

Im Branchenschnitt verzeichnete der österreichische Einzelhandel ein (nominelles) Plus von 1,0 Prozent – nach 2,0 Prozent im Jahr davor. Das ergibt inflationsbereinigt ein Minus von 0,5 Prozent. "Bei uns normalisiert sich die Konjunktur bereits", sagte Peter Buchmüller, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer. Branchensieger waren die Bau- und Heimwerkerbranche, der Sportartikel- und der Lebensmittelhandel, geht aus der Konjunkturerhebung der KMU Forschung Austria hervor, die gestern präsentiert wurde.

 

Der heimische Online-Handel legte hingegen kräftig zu, wenngleich sich das Wachstum auch hier abflachte. Hier kletterten die Umsätze um vier Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Die Internet-Käufe der Österreicher bei ausländischen Händlern wie Amazon dürften nochmals vier Milliarden Euro betragen.

 

Auch in OÖ Ernüchterung

 

Einen Tick besser schnitten laut Wirtschaftskammer die oberösterreichischen Einzelhändler ab. Sie meldeten ein nominelles Plus von 1,2 Prozent – was real immer noch ein Minus ist. 40 Prozent der stationären Geschäfte mussten Umsatzeinbußen hinnehmen, 42 Prozent erzielten Steigerungen. Der Handel als Arbeitgeber zieht wieder mehr Menschen an: In unserem Bundesland arbeiteten 2018 um 600 mehr Beschäftigte als Verkäufer oder Shop-Mitarbeiter (plus 1,2 Prozent). Auch für junge Menschen scheint in ganz Österreich der Beruf des Einzelhändlers wieder attraktiver zu werden. Zum ersten Mal seit zehn Jahren steigt die Zahl der Lehranfänger wieder. Der jahrelange Rückgang ist somit vorerst gestoppt. Das dürfte daran liegen, dass die Lehrlingsentschädigung kräftig erhöht wurde und der Lehrberuf E-Commerce-Kaufmann eingeführt wurde. Der dürfte Zukunft haben.

 

Ist der Online-Handel die Zukunft?

Pro: Dynamik bleibt hoch


von Sophia Bitter (Marketingleiterin des Seewalchner Modelabels Airfield)


Der Online-Handel hat die Handelslandschaft stark verändert. Weil sich die Innenstädte verändern, haben wir seit 2015 fünf Filialen geschlossen. Jetzt haben wir noch zwölf Standorte weltweit. Der Online-Handel wird stärker, wenngleich nicht mehr im selben Tempo. Seit drei Jahren hat sich unser Internet-Umsatz verdreifacht, sodass wir heute online so viel verkaufen wie in zwei großen eigenen Monobrand-Stores. Ich glaube aber, dass es für den Erfolg einen Spitzen-Online-Auftritt und eine gute Atmosphäre im Shop mit Erlebniswelten braucht. Wir investieren auch in den stationären Handel. Für uns ist die Kombination ideal, weil wir mit unseren 110 Mitarbeitern in Seewalchen die weltweite Logistik und den Kundenservice für Online mitmachen.

 

Contra: Der stationäre Handel lebt


von Fritz Kürmayr (Expansiver Schuhhändler mit sieben Filialen in OÖ)


Der stationäre Handel ist sicher nicht tot, er lebt! Wir niedergelassenen Händler müssen aber attraktiv bleiben. Unsere Stärken sind die persönliche Beratung, das Einkaufserlebnis, das haptische Erleben des Produkts und in unserem Fall die Individualität des Sortiments. Eine sinnvolle Kombination aus Online-Information sowie -Reservierung und der Abholung der Waren im Geschäft ist wichtig.

 

Im Internet ist vielen die Auswahl zu groß. Zehn verschiedene Pumps in Schwarz führen eher zu Verwirrung als zur Freude. Wir verwenden viel Zeit dafür, auf internationalen Messen eine überschaubare und stimmige Auswahl zusammenzustellen, und bekommen dafür sehr positives Feedback von unseren Kunden.

 

www.nachrichten.at


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