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Ein kleiner Innviertler Landmaschinenbauer hat sich zum weltweit größten Komplettanbieter von Geräten für die biologische Bodenbewirtschaftung entwickelt. In den vergangenen vier Jahren hat sich der Umsatz der Firma Einböck auf mehr als 30 Millionen Euro verdoppelt, die Zahl der Mitarbeiter auf 170.

 

"Wir hätten schon viel mehr Mitarbeiter, wenn es sie auf dem Markt nur gäbe", sagt Firmenchef Leo Einböck (52). Er hat das Unternehmen 1992 in dritter Generation vom Vater übernommen und eine uralte Technik im Ackerbau mit modernen Komponenten revolutioniert. Während die Bauern seit den 1960er-Jahren immer stärker auf Agrarchemie umsattelten, blieb Einböck zur Bekämpfung von Unkraut beim guten alten Hackstriegel. Er modifizierte aber die Werkzeuge, erweiterte die Arbeitsbreiten auf bis zu 24 Meter und schaffte vor fünf Jahren den Durchbruch zum Smart Farming: Kameras erkennen das Unkraut zwischen den Pflanzenreihen und steuern die Zinken. Diese Zusatzausrüstung kostet zwar einen fünfstelligen Euro-Betrag. "Das kaufen aber sogar kleinere Bauern, die im Nebenerwerb sind, weil die sind unter Zeitdruck und schaffen damit mehr Leistung." Bei der digitalen Technik (Row Guard = Reihenwächter) hat er mit dem deutschen Agrarriesen Claas einen starken Partner.

 

Mehrere Trends in der Landwirtschaft machen Einböcks mechanische Unkrautbekämpfung zum Hit: die negative Stimmung gegen Pflanzenchemie, drohende bzw. sogar verhängte Verbote (Neonicotinoide) und der Bioboom in der Landwirtschaft. Außerdem gehen die Bauern vom Pflügen zur sanfteren Bodenbearbeitung über.

 

Der Einböck-Kunde kann ein kleiner Biobauer in Österreich genauso sein wie eine Kooperative in der Ukraine mit einer Million Hektar Fläche. Leo Einböck will sich nicht auf den Biolandbau fixieren: Viele Käufer seien konventionelle Bauern. Das Hackstriegeln bringe ihnen Kostenvorteile, weil sie Chemie sparen. Ein Erfolgsfaktor sei die Kundennähe, sagt Marketingchef Andreas Oberndorfer: "Anders als die großen Konzerne können wir maßgeschneiderte Lösungen anbieten. Wir verkaufen so gut wie kein Gerät von der Stange."

 

Der Exportanteil beträgt 85 Prozent. Wichtigste Märkte sind Deutschland, Österreich, Frankreich und die USA: "Viele Unkräuter sind heute gegen Herbizide resistent; auch für die großen US-Farmer sind wir daher interessant", sagt Oberndorfer. Die Hacktechnik sei lange nicht ausgereizt: "Unsere Techniker haben immer wieder neue Lösungen. Wir haben viele Jahre Vorsprung." Derzeit führt Leopold Einböck die Firma gemeinsam mit seiner Frau Birgit; sie ist für die Zahlen zuständig. Die vierte Generation steht schon in den Startlöchern.

 

 

Josef Lehner          nachrichten.at


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