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THALHEIM. Peter Entenfellner erstreitet für Airline-Kunden bis zu 600 Euro pro Flugpassagier.

 

 

Wenn sich Flüge verspäten oder, noch schlimmer, gar nicht stattfinden, ist der Thalheimer Unternehmer Peter Entenfellner bei Bedarf zur Stelle. Vor sechs Monaten ging das von ihm gegründete Fluggastrechteportal "EuroFlyRefund", das für verärgerte Airline-Kunden Entschädigungen erstreitet, online. "Wenn man so will, bin ich der Robin Hood der Flugbranche. Ich hole mir das Geld von den reichen Airlines und verteile es unter den armen Fluggästen", sagt Entenfellner grinsend.

 

Entschädigungspflicht seit 2005

 

Seit 2005 müssen EU-Fluglinien, die in Europa starten und landen, ihre Kunden bei verspäteten und stornierten Flügen entschädigen. Die übrigen Airlines sind bei Starts innerhalb der EU haftungspflichtig. "Geschätzt wird, dass nur fünf Prozent der Ansprüche ausbezahlt werden, weil lediglich zehn Prozent der Fluggäste über derartige Entschädigungen Bescheid wissen", sagt Entenfellner. Die Air-Berlin-Pleite habe große Bewegung in die Branche gebracht: "2018 ist das Jahr der Flugentschädigungen. Es gibt zu wenige Flugzeuge, Piloten und Landerechte auf den großen Flughäfen. Das führt zu großen Turbulenzen im Flugplan."

 

Entenfellner kam die Idee zur Gründung einer Entschädigungsfirma nach einem stornierten Flug, der ihn nach Moskau bringen sollte: "Der Flieger hatte 150 Plätze. Der Austrian-Flug wurde gecancelt, weil ihn nur 36 Passagiere gebucht hatten. Während ich auf den Ersatzflug wartete, stieß ich im Internet auf das Formular eines unserer jetzigen Mitbewerber. Weil ich hier Verbesserungsbedarf sah, hatte ich die Idee, eine eigene Firma zu gründen."

 

Die Ansprüche geschädigter Fluggäste richten sich nach der Flugdistanz und der tatsächlichen Verspätung. Für Strecken bis zu 1500 Kilometer werden 250 Euro fällig, wenn sich die Maschine um mindestens drei Stunden verspätet. Bis 3500 Kilometer winken 400 Euro. Langstreckenflüge sind mit 600 Euro taxiert.

 

In der Abwehr von hartnäckigen Kunden bleiben die Airlines nicht untätig: "Auf der anderen Seite sitzen Vollprofis, die knallhart agieren und so viele Ansprüche wie möglich abwehren. Da wir auf Flug- und Wetterdaten zugreifen können, haben wir denselben Informationsstand wie die Airlines."

 

Neben einem Netz an juristischen Experten in mehreren europäischen Ländern sind diese Daten das Kapital von "EuroFlyRefund". Die große Herausforderung liege in der Datensicherung: "Wir können mit unserer Software Millionen von Flügen überblicken. Ohne Flug- und Wetterdaten stünden wir nackt da."

 

Das Risiko, zu verlieren, bewegt sich laut Entenfellner bei zehn Prozent. Die Erfolgsquote von 90 Prozent sei auch deswegen so hoch, weil private Entschädigungsfirmen im Gegensatz zur Schlichtungsstelle des Verkehrsministeriums ihre Fälle vor Gericht einklagen: "Das Prozessrisiko tragen wir als Unternehmen. Der Kunde bezahlt unsere Provision nur dann, wenn er entschädigt wird." Das Erfolgshonorar beträgt 29 Prozent der erstrittenen Summe. Bei Kunden mit Rechtsschutz zahle die Versicherung die Provision.

 

Kann die Airline als Grund für die Verspätung einen außerordentlichen Umstand wie einen medizinischen Notfall oder ein Unwetter nachweisen, bleiben Forderungen meistens aussichtslos. "Es gibt auch Fälle, die wir ablehnen müssen", gesteht Entenfellner. Bei einigen exotischen Airlines wären Streitigkeiten vergebene Mühe.

 

www.euroflyrefund.com informiert über Entschädigungsleistungen. Ansprüche können auch direkt eingefordert werden. Bei Austrian lautet die Adresse ww.austrian.com/feedback.

 

 

Erik Famler         www.nachrichten.at


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