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Betriebe profitieren von Unternehmensförderungen, leiden aber unter Bürokratieaufwand und fehlender Transparenz.

 

 

Wien. Wie gut sind heimische Firmen über Österreichs Förderlandschaft informiert? Welche Bedeutung haben Forschungs- und Bildungsprämien? Und weshalb werden EU-Fördertöpfe kaum angezapft? Antworten darauf liefert eine Befragung unter 226 Geschäftsführern und Bereichsleitern unterschiedlicher Branchen durch den Unternehmensberater Deloitte.

 

Das zentrale Ergebnis: Förderungen werden vor allem für strategisch wichtige und zukunftsorientierte Unternehmensbereiche lukriert. "Gerade in Bereichen wie Digitalisierung, Qualifizierung oder Innovation sind Förderungen besonders gefragt. Gezielt eingesetzt helfen sie Unternehmen dabei, resilient und zukunftsfit zu werden", sagt Jan-Martin Freese, Manager bei Deloitte Österreich.

 

 

"Fakt ist auch, dass das Wachstum der österreichischen Wirtschaft durch das intensive Förderwesen weiter angetrieben wird." Ganz oben auf der Beliebtheitsskala heimischer Firmen stehen - mit einem Zuspruch von 66 Prozent - Förderungen zur Aus- und Fortbildung sowie zur Beschäftigung von Mitarbeitern. Geschuldet sei dies der Tatsache, "dass der österreichische Arbeitsmarkt eine Hochkonjunktur und gleichzeitig eine umfassende Digitalisierung erlebt", prognostiziert die Deloitte-Studie.

 

Forschungsprämie ist top

 

Ebenfalls hoch in der Gunst heimischer Firmen stehen die Bereiche Forschung und Entwicklung (59 Prozent), Investitionen, Wachstum und Modernisierung (44 Prozent) sowie Energie und Umwelt (41 Prozent). Ein Großteil der befragten Unternehmen hat bereits Erfahrung mit direkten Förderungen. Das beliebteste Förderinstrument im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E-Bereich) ist dabei eindeutig die Forschungsprämie. 58 Prozent der befragten Unternehmen haben dieses Förderangebot bereits genutzt. Die Erhöhung der Prämie von 12 auf 14 Prozent ab 2018 hat deren Attraktivität noch weiter gesteigert.

 

Doch es gibt noch andere Vorteile: "Diese Förderung kann von Unternehmen jeder Größe beantragt werden. Und die Forschungsprämie kann anders als andere Förderungen völlig frei verwendet werden und ist nicht an einen bestimmten Zweck gebunden. Ein relativ geringer Aufwand bei der Beantragung macht sie zusätzlich attraktiv", so die Deloitte-Experten. Da teilweise große Unsicherheiten bei der Anwendung der Prämie bestehen, sind die Firmen jedoch mehrheitlich auf externe Hilfe bei der Beantragung angewiesen.

 

Viele verschiedene Förderstellen

 
Die interviewten Manager kritisieren generell die mangelnde bis gänzlich fehlende Transparenz der österreichischen Förderlandschaft. Als weiteren Hemmschuh betrachten sie den hohen Bürokratieaufwand, dicht gefolgt von zuviel Regulierung. "Im internationalen Vergleich hat Österreich tatsächlich eine relativ hohe Anzahl an unterschiedlichen Förderstellen", bestätigt Deloitte. "Trotz Angeboten wie dem Transparenzportal des Finanzministeriums können immer noch nicht alle Angebote vollumfassend durchsucht werden." Da verwundert es nicht, dass nur acht Prozent der Befragten angeben, einen exzellenten Überblick über das gesamte Angebot zu haben.

 

Besonders auffällig ist, dass Förderungen durch die EU eher selten in Anspruch genommen werden. 94 Prozent der befragten Firmen setzten in erster Linie auf regionale oder nationale Förderungen. Der meist höhere Aufwand bei der Beantragung von EU-Förderungen schreckt vor allem kleinere Betriebe ab.

 

"Die österreichischen Unternehmen üben sich bei EU-Förderungen in falscher Zurückhaltung", klagt Förderungsexperte Freese. "EU-Förderungen sind überwiegend hoch dotiert, tragen zum Prestige bei und stärken die Wettbewerbsfähigkeit." Dazu komme, dass EU-Förderungen weit im Voraus festgelegt und damit besser planbar sind als regionale und nationale Förderungen, bei denen Fristen und Verfügbarkeiten oft sehr kurzfristig kommuniziert werden.

 

Meist unter 100.000 Euro

 
Die zielführendste Art der Förderung ist für die Befragten wenig überraschend der direkte Zuschuss. Mehr als 90 Prozent bevorzugen diese Form der Unterstützung, gefolgt von Krediten und Haftungen. "Mehr als ein Viertel der Befragten sieht jedoch auch Services, Beratung und Coaching als sinnvolle Unterstützung an", so die Deloitte-Studie.

 

Die Höhe der Förderungen entspricht der mehrheitlich kleinteiligen Struktur der heimischen Unternehmenslandschaft. Bei fast der Hälfte der Befragten liegt das Fördervolumen bei unter 100.000 Euro jährlich, für 37 Prozent zwischen 100.000 und 500.000 Euro und nur elf Prozent beziehen mehr als eine Million Euro an Förderungen.

 

 

Von Andrea Möchel              wienerzeitung.at


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