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Billig-Angebote eines Investoren-Hotels bringen Hotellerie-Obmann Gerber in Rage: Er fordert Aus für Investorenmodelle und will Ortschefs aufklären.

 

 

Fieberbrunn – So genannte Investorenmodelle haben sich in den vergangenen Jahren in der Tiroler Tourismuslandschaft breitgemacht. Dabei werden Wohnungsanlagen errichtet, die Wohnungen an finanzstarke Anleger – meist aus dem Ausland – verkauft und über einen Hotelbetreiber an Touristen vermietet. Nun sorgen Schnäppchen-Angebote einer solchen Investoren-Anlage für Aufruhr, die über Hofer Reisen verkauft werden. Konkret geht es um das neu errichtete Investoren-Resort in Fieberbrunn mit 450 Betten, die knapp 100 Wohnungen und Chalets gehören Anlegern von Holland über Polen bis Tschechien. Das Resort wird künftig von Vaya – einer Tochter des internationalen Reiseunternehmens Sunweb – als 4-Sterne-Anlage betrieben. Aktuell buhlt es mit Schnäppchen-Angeboten um Sommergäste. Wie aus einem Prospekt hervorgeht, werden zwischen Ende Mai und Ende Oktober beispielsweise zwei Übernachtungen inkl. Halbpension ab 99 Euro pro Person angeboten (also 49,50 pro Nacht und Person), bis zu zwei Kinder unter elf Jahren können zudem gratis urlauben. „Bei solchen Preisen stellt es mir die Haare auf“, kritisiert Tirols Hotellerie-Obmann und ÖVP-LA Mario Gerber. Zieht man von diesen Preisen die Provision für Hofer Reisen sowie die Umsatzsteuer ab, bleibe unterm Strich kaum etwas übrig, rechnet Gerber vor. „Da frage ich mich, wo denn hier die tolle Wertschöpfung für die Region bleibt, mit der solche Investorenmodelle immer werben“, meint Gerber. Es seien Kampfpreise, die gewachsene Hotelbetriebe in der Region massiv unter Druck brächten. „Familienbetriebe haben über Generationen hinweg den Tourismus in Tirol aufgebaut. Und dann kommen solche Investorenmodelle daher und saugen mit solchen Angeboten alles ab. Wie soll denn ein Familienbetrieb mit 100 Betten mit diesen Preisen mithalten?“, fragt sich Gerber. Er frage sich auch „wo denn bei solchen Preisen die versprochene Superrendite für die Investoren“ herkommen soll.

 

Vaya rechtfertigt gegenüber der TT das Hofer-Angebot. „Für den kommenden Sommer haben wir einen Vertrag mit Eurotours für eine begrenzte Anzahl unserer Zimmer“, teilt Vaya mit. „In kaufmännischer Hinsicht ist dies ein guter Vertrag für uns und es liegt an Eurotours, wie sie es verkaufen und welche Preise sie ansetzen. Eurotours arbeitet seit Jahren mit vielen Hotels in Tirol so zusammen.“

 

Aus Gerbers Sicht ist die Situation mit den sich ausbreitenden Investorenmodellen in Tirol allerdings nicht mehr tragbar. „Das Investorenmodell ist völlig aus dem Ruder gelaufen“, warnt der oberste Tiroler Branchenvertreter, selbst Hotelier in Kühtai. „Ich will dafür kämpfen, dass es Investorenmodelle so in Tirol nicht mehr gibt.“ Investorenmodelle in ihrer ursprünglichen Form, nämlich um drei bis vier Wohnungen zu finanzieren, seien in Ordnung. „Aber Hunderte Betten mit diesem Modell auf die Wiese zu knallen, die zudem womöglich zu Freizeitwohnsitzen werden – das sind völlig fehlgeleitete Investorenmodelle.“

 

Muss der ÖVP-Abgeordnete Gerber nicht auch mit seinen eigenen ÖVP-Parteikollegen in den Gemeinden reden, die zugunsten solcher Investoren-Burgen mitunter ganze Areale umwidmen? „Ich werde mit den Bürgermeistern das Gespräch suchen“, kündigt Gerber an. „Man glaubt im ersten Moment, dass solche Investorenmodelle für eine Gemeinde toll sind. Dem ist aber nicht so. Ich möchte die Bürgermeister diesbezüglich aufklären. Investorenmodelle sind eine absolute Fehlentwicklung.“

 

 

Von Max Strozzi              www.tt.com


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