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Der Ziegel- und Betonspezialist plant unter Neo-Chef Stefan Leitl eine weitere Expansion im benachbarten Ausland.

 

 

Seit 123 Jahren brennt das Unternehmen Ziegel. Von Anfang an wurde es von einem seiner Vorfahren oder Verwandten geführt. Dass er selbst einmal Geschäftsführer wird, war für Stefan Leitl trotzdem alles andere als klar. Doch seit dem Vorjahr führt der 41-Jährige das Familienunternehmen mit 200 Mitarbeitern und 50 Millionen Euro Umsatz und den Hauptwerken in Eferding und Hörsching.

 

"Ich habe ein gut geführtes Unternehmen übernommen und möchte es kontinuierlich weiterentwickeln", sagt Stefan Leitl. Zu den Tochterfirmen in Italien, Slowenien, Deutschland, der Schweiz und der Slowakei könnten weitere im benachbarten Ausland dazu- kommen.

 

Spezialisiert sind die Leitl-Werke auf Vitalziegel (nachhaltig produzierte Ziegel) und Betonfertigteile. "Damit können wir als Gesamtanbieter an den Endkunden herantreten."

 

Der ausgebildete Pianist Stefan Leitl arbeitete nach seinem BWL-Studium in Linz bei Polyfelt und hatte dort gute Aufstiegsmöglichkeiten. Dennoch nahm er das Angebot seines Vaters Christoph an, die Geschäftsführung des sanierungsbedürftigen Steinwolle-Herstellers Isoroc in Polen zu übernehmen, an dem neben Leitl auch Alexander Maculan beteiligt ist und der dort heute die Geschäfte führt (Isoroc heißt jetzt Tamak).

 

Stefan Leitl musste in vier Wochen Polnisch lernen, blieb acht Jahre im Werk zwischen Danzig und Warschau und zwei weitere in Russland, ehe ihm seine Großmutter Ilse Leitl anbot, die Nachfolge seines Onkels Martin im Familienbetrieb zu übernehmen.

 

Letzterer ging im Vorjahr in Pension. Sein Onkel Florian, derzeit noch Betriebsleiter und über Jahre für die inzwischen geschlossene Solar-Thermie-Sparte in Deutschland zuständig, geht in wenigen Wochen in Rente.

 

Gegründet wurde das Unternehmen allerdings nicht von einem Leitl, sondern von den Brüdern Obermayr in Polsenz bei Eferding. Einer der beiden Bauernsöhne war der Vater von Anna Leitl, die mit dem Leiter der Oberbank Wels, Carl Leitl, verheiratet war. Als der Schwiegervater 1931 starb, übernahm Carl Leitl und wurde Ziegelunternehmer. Sein Sohn Karl Leitl folgte 1945.

 

Als dieser an einem Gehirntumor erkrankte, bereitete er seinen ältesten Sohn Christoph auf die Übergabe vor. Der heute 69-Jährige wurde nach dem Tod seines Vaters mit 27 Jahren Geschäftsführer. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Leitl-Werke bereits eine Mitarbeiterbeteiligung, die den Beschäftigten einen Anteil am Erfolg gewährte. Die sechs Geschwister Christoph, Martin und Florian sowie Cornelia, Sabine und Katharina bekamen je ein Sechstel am Unternehmen (sie übergeben derzeit sukzessive an ihre Kinder).

 

Nach dem Wechsel Christoph Leitls in die Politik übernahm sein Bruder Martin und führte den Betrieb mit Andreas Gibus, der nun mit Stefan Leitl die Geschicke des Betriebs lenkt.

 

Christoph Leitl, der über seine Beteiligungsgesellschaft auch an Start-ups wie Viewpoint in Wien beteiligt ist, führt den Aufsichtsrat, in dem auch sein Bruder Martin und der langjährige Oberbank-Generaldirektor Hermann Bell sitzen. Auf seinen Sohn ist er stolz: "Stefan hat in Polen ein Unternehmen saniert und gelernt, nach modernen Managementmethoden zu führen. Und er hat nicht den einfachen Weg gewählt."

 

Dietmar Mascher          www.nachrichten.at


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