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93 Prozent der Unternehmen sind in österreichischem Eigentum. Für ausländische Eigentümer gilt der Nachbarschaftsbonus.

 

 

Wien. Als im Zuge der Insolvenz des Raststätten-Betreibers Rosenberger jüngst zur Sprache kam, dass das Unternehmen seit 2013 chinesische Eigentümer hat, dürfte das manchen überrascht haben. Stellt sich die generelle Frage, wieviel rot-weiß-rot tatsächlich hinter vermeintlich österreichischen Firmenstrukturen steckt.

 

Antworten darauf liefert die Wirtschaftsauskunftei CRIF, die alle in Österreich tätigen und im Firmenbuch eingetragenen Unternehmen regelmäßig auf ihre Besitzverhältnisse untersucht. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Von rund 250.400 Unternehmen befinden sich 93 Prozent in ausschließlich österreichischem Besitz. 98 Prozent davon sind Klein-und Mittelbetriebe (KMU) sowie Ein-Personen-Unternehmen (EPU).

 

 

"Kleine und mittlere Betriebe, darunter auch viele Familienunternehmen, prägen die österreichische Wirtschaft und schaffen wertvolle Arbeitsplätze. Aufgrund ihrer kleinteiligen Strukturen sind sie für eine Übernahme durch internationale Konzerne aber meist weniger attraktiv als große Betriebe und bleiben daher größtenteils in heimischer Hand", erklärt Boris Recsey, Geschäftsführer von CRIF Österreich, das Ergebnis.

 

Die sprichwörtlichen Ausnahmen, die diese Regel bestätigen, finde man am ehesten noch im Umfeld von Start-up-Firmen, so der Experte weiter. Österreichs Hidden Champions sind für Avancen ausländischer Investoren hingegen weniger empfänglich. "Hidden Champions sind in der Regel mittelständische Unternehmen, die nicht nur durch ihre Spezialisierung und Innovationskraft, sondern auch aufgrund ihrer Unternehmenskultur erfolgreich sind", so Boris Recsey zur "Wiener Zeitung". "Letztere wird meist durch den Umstand geprägt, dass viele dieser Unternehmen eigentümergeführt sind, was sich oft nicht mit den Werten eines internationalen Großkonzerns vereinbaren lässt."

 

Ausländer als Big Player

 
Laut dem CRIF-Report erwirtschaften die rot-weiß-roten Unternehmen insgesamt rund 69 Prozent des Gesamtumsatzes aller hierzulande tätigen Firmen. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass jene sieben Prozent die ausschließlich in ausländischem Besitz sind, den stolzen Anteil von rund 31 Prozent Umsatz für sich verbuchen können. "Der Grund für diesen hohen Umsatz liegt in der Größe vieler dieser Firmen", erklärt Recsey das Phänomen. "Während bei den Unternehmen in ausschließlich österreichischem Besitz lediglich 1,7 Prozent der Unternehmensgröße Large und X-Large zugeordnet werden können, sind es bei den Unternehmen in ausschließlich ausländischem Besitz immerhin 8,3 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass diese Großunternehmen einen erheblichen Beitrag zur Umsatzgenerierung beitragen."

 

Satte 39,4 Prozent der Unternehmen in rein ausländischem Besitz sind dem Handelssektor zuzuordnen. Darunter finden sich Big Player wie die deutsche Rewe Group, die in Österreich mit den Marken Billa, Merkur, Penny und Bipa vertreten ist, sowie die deutschen Handelskonzerne Aldi/Hofer und Lidl. Weitere 22,5 Prozent der Firmen in nicht österreichischem Besitz machen ihre Umsätze im Dienstleistungsbereich, 8,2 Prozent in der Produktion. Zum Vergleich: Die rot-weiß-roten Eigentümer finden sich vor allem im Dienstleistungssektor (26 Prozent), dem Handel (25 Prozent) und mit deutlichem Abstand in der Produktion (8 Prozent).

 

Woher kommen nun aber die ausländischen Eigentümer? An der Spitze finden sich Firmen unter deutscher Führung (32 Prozent), gefolgt von der Schweiz (neun Prozent), Großbritannien (acht Prozent) und den Niederlanden (sieben Prozent).

 

Deutschland ist attraktiver

 
Betrachtet man die Eigentumsverhältnisse nach Bundesländern, so zeigt sich, dass die meisten Eigentümer aus den jeweils angrenzenden Nachbarländern kommen. So sind im Burgenland 40 Prozent der Unternehmen mit ausländischen Besitzern in ungarischer Hand, neun Prozent haben Slowaken als Eigentümer. In Kärnten ist der ausländische Eigentümer zu 31 Prozent italienischer und zu 13 Prozent slowenischer Herkunft. In Vorarlberg geben die Schweizer in 33 Prozent der Betriebe mit ausländischen Eigentümern den Ton an, die Deutschen in 32 Prozent und die Liechtensteiner in 14 Prozent. In Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und der Steiermark kommt der Großteil der ausländischen Eigentümer aus Deutschland.

 

Auffällig ist, dass sich chinesische Investoren hierzulande (noch) eher selten blicken lassen. Anders in Deutschland, wo mittlerweile der Schutz vor Übernahmen strategisch wichtiger Firmen durch China erheblich verschärft wurde. Aber auch in der Schweiz sorgen chinesische Übernahmen für Diskussionen, darunter Traditionsunternehmen wie der Schuhersteller Bally oder die weltgrößte Flughafen-Servicegesellschaft Swissport. In Österreich tätigten chinesische Investoren im ersten Halbjahr 2018 lediglich zwei Transaktionen. Größter Deal war dabei der Einstieg des Finanzinvestors Fosun als Mehrheitsgesellschafter beim Vorarlberger Wäschekonzern Wolford.

 

Und worin liegen die Gründe für das zögerliche Engagement chinesischer Einkäufer? "Eine mögliche Erklärung ist, dass für chinesische Unternehmen der deutsche Markt einfach attraktiver ist. Dies sieht man auch an den hohen Investitionen, die in den vergangenen Jahren dort getätigt wurden", sagt Recsey. "Wenn man im deutschsprachigen Markt tätig sein will, ist Deutschland aufgrund der Größe und des wirtschaftlichen Potenzials einfach die erste Wahl."

 

 

Von Andrea Möchel                 www.wienerzeitung.at


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