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Die Unternehmen setzen große Erwartungen in die robotergesteuerte Automatisierung. In der Bevölkerung fehlt es noch an Akzeptanz.

 

Wien. Österreichs Unternehmen investieren bei der Digitalisierung ihrer Geschäftstätigkeit immer öfter in die robotergesteuerte Automatisierung. Zu diesem Schluss kommt das Wirtschaftsberatungsunternehmen Deloitte nach der Befragung von 1700 Finanzchefs aus 20 europäischen Ländern, darunter auch Österreich. Laut Studie plant bereits jedes zweite heimische Unternehmen, im nächsten Jahr in robotergesteuerte Prozessautomatisierung zu investieren. Weitere 37 Prozent können sich laut dem Deloitte CFO Survey vorstellen, diesen Bereich mittelfristig auszubauen.

 

"Die digitale Transformation der Wirtschaft schreitet in Österreich schnell voran", sagt Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich. "Die heimischen Finanzchefs konzentrieren ihre Investitionsbereitschaft zunehmend auf den digitalen Fortschritt und versprechen sich davon vor allem effizienzsteigernde Effekte."

 

 

Erhöhte Flexibilität

 
Doch wie ist es um die Robotik in Österreich derzeit bestellt? Dieser Frage ist das Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) im Auftrag des Ministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie nachgegangen. Die Studie stützt sich auf Interviews mit Experten aus Universitäten, Fachhochschulen und Industrie.

 

Als dominierender Anwendungssektor der Robotik wird von den Fachleuten der Industriebereich identifiziert. Unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" erwartet man hier einen zügigen Ausbau der Automatisierung, wobei eine erhöhte Flexibilität der Maschinen als entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von Robotern genannt wird. Da auch Klein- und Mittelbetriebe (KMU) vermehrt Interesse an Robotik zeigen, müsse zudem die Entwicklung von Robotern, die einfach umzuprogrammieren sind, forciert werden.

 

"Die befragten Fachleute haben mehrheitlich auf den Trend der Mensch-Maschine-Kooperation und den damit verbundenen Änderungen in den Betriebsabläufen hingewiesen: Roboter werden immer stärker als hochflexible Werkzeuge auch für kleine Losgrößen gesehen", so die Robotik-Studie. Dazu sei es jedoch erforderlich, den Robotereinsatz wesentlich zu vereinfachen. Als zentralen Baustein auf dem Weg zur Autonomie von Robotern sehen die Interviewten den Bereich Teilautonomie, der seit einigen Jahren vor allem in der Fahrzeugtechnik vorangetrieben wird.

 

"Damit können heute existierende Assistenzsysteme, welche Teile des autonomen Fahrens übernehmen, auch in anderen Gebieten wie dem autonomen Fliegen sinnvoll eingesetzt werden", heißt es in der Studie. Die Fachleute bezeichnen die Teilautonomie als einen der entscheidenden Trends der nächsten fünf bis zehn Jahre. Indiz dafür sei die vermehrte Lobbyarbeit, "die für eine schnelle Einführung zum Beispiel im Taxigeschäft und Warentransport eintritt".

 

Gegen den Arbeitskräftemangel

 
Neben dem Einsatz in der Fabrikhalle werden Roboter künftig auch vermehrt auf Baustellen und in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. "Da in beiden Bereichen Schwierigkeiten bestehen, ausreichend Personal zu finden, weisen die befragten Experten auf einen großen potenziellen Markt hin", so die Studienautoren. Es gehe dabei nicht darum, menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen, sondern um "eine Ergänzung dort, wo Menschen nicht arbeiten wollen". Darüber hinaus erwartet man einen zunehmenden Roboter-Einsatz in den Bereichen Gebäudeverwaltung und -reinigung, Sicherheit und Medizin. Auch im Konsumentenbereich werden der Robotik von einer Mehrheit der Experten große Wachstumschancen zugestanden. Dabei gehe es nicht um den humanoiden Haushaltassistenten, der von vielen Menschen erwartet wird, sondern um Helfer, die mehr können, als nur staubzusaugen. Diese "companion robots" seien, neben Kommunikationsassistenten wie Alexa & Co, eindeutig im Kommen.

 

Wenig Akzeptanz

 
Auf die Frage nach den wesentlichen Herausforderungen, die die Entwicklung und der Einsatz von Robotern nach sich ziehen, sieht die Mehrheit der Befragten deren gesellschaftliche Akzeptanz als derzeit größtes Problem. "In der Bevölkerung werden falsche Erwartungshaltungen sowie ökonomische, aber auch ethische Ängste und Vorbehalte Robotern gegenüber festgestellt", so die ITA-Studie. "Diese dürfen nicht ignoriert, sondern müssen ernstgenommen werden." Da es durch die Robotik mit Sicherheit zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen kommen wird, müsse vor allem auf soziale Auswirkungen geachtet werden.

 

Eine weitere Herausforderung wird in der (fehlenden) Ausbildung gesehen. Die Studie stellt einen Mangel an innovativen, auf Robotik fokussierten Studienprogrammen fest, wodurch die notwendige Qualifikation der Arbeitnehmer erschwert wird.

 

 

Von Andrea Möchel            www.wienerzeitung.at


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