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Die Coronakrise lässt die globalen Verbindlichkeiten der Konzerne um eine Billion Dollar ansteigen. Die Passiva wuchsen in den vergangenen Jahren deutlich schneller als die Gewinne. VW ist der globale Schuldenkaiser.

 

Wien. Schon seit Jahren bereitet ein Trend der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gewaltige Sorgen: der steigende Schuldenstand der Unternehmen. Die Coronakrise wird die Lage nun deutlich verschärfen. Der Lockdown ging schließlich mit einem Mangel an Liquidität einher, den die Firmen irgendwie ausgleichen mussten. Demnach dürften die globalen Verbindlichkeiten der Konzerne in diesem Jahr um über eine Billion Dollar anschwellen. Der Schuldenberg wird damit um zwölf Prozent auf insgesamt 9,3 Billionen Dollar steigen, wie eine Studie des Fondsmanagers Janus Henderson zeigt.

 

Doch schon vor der weltweiten Pandemie war die Schuldenlast erdrückend. Die niedrigen Zinsen ermöglichten es den Firmen, sich auf den Kapitalmärkten Geld zu günstigen Konditionen zu beschaffen. Auch Firmen, deren Bonitätsbewertungen weniger gut ausfielen, nutzen die Zinslandschaft aus.

 

 

 

Quelle: Janus Henderson - Grafik: Die Presse/Petra Winkler

 

 

 

Allein in den Jahren 2014 bis 2019 legte der Schuldenberg der Unternehmen (es waren keine Finanzunternehmen darunter) um 37 Prozent zu und wuchs damit deutlich schneller als die Gewinne vor Steuern. Der Verschuldungsgrad, das heißt das Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenkapital, ist im vergangenen Jahr ebenfalls auf den Rekordwert von 59 Prozent geklettert. Trotz der niedrigen Zinsen ist ein so großer Anteil der Gewinne für den Schuldendienst draufgegangen wie nie zuvor, berichten die Studienautoren.

 

Autoindustrie als Spitzenreiter

 

Fast die Hälfe der globalen Unternehmensschulden entfällt mit 3,9 Billionen auf Firmen aus den USA. Europa (ohne Großbritannien) bindet rund ein Viertel der globalen Passiva. Doch betrachtet man die Schulden nach einzelnen Ländern, zeigt sich, dass Deutschland mit 762 Milliarden Dollar auf dem zweiten Platz hinter den USA liegt. Ein Grund dafür ist die kapitalintensive Autoindustrie und ihre Aktivitäten im Bereich der Autofinanzierung, wie Janus Henderson schreibt.

 

Die Produzenten müssen derzeit viel Geld in neue Technologien und emissionsärmere Modelle stecken. Fünf der zehn am höchsten verschuldeten Unternehmen der Welt sind demnach Autokonzerne. Drei davon stammen aus Deutschland: Volkswagen, Daimler und BMW. Wobei kein anderer Konzern so viele Schulden hat wie VW. Dessen Verbindlichkeiten belaufen sich auf 192 Milliarden Dollar. Sie sind damit in etwa so hoch wie die Staatsschulden Südafrikas oder Ungarns.

 

Doch nicht alle Unternehmen setzen auf Fremdkapital. Ein Viertel ist schuldenfrei, einige Firmen verfügen sogar über Barreserven. An der Spitze steht die Google-Mutter Alphabet mit Beständen von 104 Milliarden US-Dollar. (ag./nst)

 

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