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Biotechnologien bestimmen den Weg des niederösterreichischen Unternehmers Erich Erber. Seine Erber-Group hat er kürzlich für 980 Millionen Euro verkauft. Nun startet er mit der SAN-Group von Singapur aus neu durch.

 

 

Es begann mit dem Kampf gegen Pilzgifte in Tierfutter, mündete in eine global tätige Firmengruppe für Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit und gipfelte unlängst in deren Verkauf für immerhin 980 Millionen Euro. Aber die Erfolgsgeschichte eines Niederösterreichers mit bäuerlichen Wurzeln ist offenbar noch lange nicht zu Ende.

 

Als im Juni 2020 die Erber-Group den Besitzer wechselte, schien eine unternehmerische Erfolgsstory ihr logisches, großes Finale erreicht zu haben. Firmengründer Erich Erber hatte sich seine Expertise um Schimmelpilzgifte, auch Mycotoxine genannt, vergolden lassen und seine Erber-Group an den niederländischen Konzern Royal DSM verkauft.

 

 

Zur Ruhe setzen will er sich aber nicht. Der Unternehmer, Jahrgang 1953, macht weiter. Erber, der mit 30 Jahren sein erstes Unternehmen gründete und damals in einem vormaligen Schlachthaus seine Produkte entwickelte, gründete nun erneut: die SAN-Group mit Sitz in Singapur. Ihren Kern bilden zwei Firmen, die er vor dem Verkauf aus der Erber-Group herausgelöst hatte: Sanphar beschäftigt sich mit veterinärmedizinischen Produkten und Services, Bio-ferm mit biotechnologischem Pflanzenschutz. "Die SAN-Group fokussiert sich auf Tier- und Pflanzengesundheit, um weltweit eine nachhaltige Lebensmittelproduktion sicherzustellen", erläutert Erich Erber dazu im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

 

Aber warum Singapur und nicht Österreich? "Ich habe seit 22 Jahren meinen Lebensmittelpunkt in Singapur. Die SAN war immer schon ein in Singapur angesiedeltes Unternehmen, wenn auch mit anderen Aktivitäten. Es war daher naheliegend, die bereits bestehenden Strukturen zu nützen und auszubauen. Ich sehe die SAN-Group eher als Welt-Unternehmen und mich als Weltbürger - schließlich haben wir Niederlassungen auf vier Kontinenten."

 

Gemeinsam mit der österreichischen Bau- und Immobilienfirma SAN Real, der in Singapur ansässigen SAN Pacific Investments und der erst kürzlich erworbenen US-amerikanischen Pflanzenschutz- und Düngemittelfirma Westbridge, umfasst die SAN-Group rund 200 Mitarbeiter auf vier Kontinenten und erwirtschaftet einen Umsatz von aktuell 50 Millionen Euro.

 

Mit SAN Pacific Investments bewegt sich Erber im Umfeld der Biotech-Start-ups und behält so interessante Entwicklungen im Auge - auch die potenzielle Konkurrenz?

 

"SAN Pacific Investments investiert seit vielen Jahren als Private-Equity-Partner in zukunftsträchtige Unternehmen, so zum Beispiel in ein Singapur-Start-up, welches derzeit im Rennen um die Registrierung eines Covid-Impfstoffes ist. Mit Konkurrenzbeobachtung haben diese Investitionen nichts zu tun", meint der Unternehmer da nur trocken.

 

Selbst die Pandemie hat Erich Erber in seinen Aktivitäten nicht ausbremsen können. Immerhin hat er seine Erber-Group doch recht zeitnah, nach dem Lockdown verkauft. Nicht wegen, sondern trotz Covid sei der Verkauf über die Bühne gegangen, betont er und fügt hinzu: "Die Suche nach einem passenden Käufer hat schon vor über einem Jahr stattgefunden. Ich freue mich, dass mit DSM ein finanziell gesundes Unternehmen der neue und beste Eigentümer der Erber-Group geworden ist."

 

Derzeit typische Probleme mit Lieferketten sowie Einschränkungen bei der Beweglichkeit seiner Mitarbeiter weltweit kennt er natürlich schon, nimmt diese allerdings eher sportlich wahr. "Die Herausforderungen sind da, das ist korrekt. So ist es aktuell sehr schwierig beziehungsweise sehr riskant, zu unserer neuen Akquisition in Kalifornien, der Firma Westbridge, zu reisen. Daher ist eine Integration dieser Neuerwerbung nicht leicht." An den einzelnen Standorten selbst ist die neue Wirklichkeit schon lange angekommen. Homeoffice, Videokonferenzen und Covid-Regeln in den Büros gehören mittlerweile zum Arbeitsalltag. Biotechnologien sind definitiv Erbers Lebensthema, ob wie in der Vergangenheit, um Pilzgifte zu bekämpfen oder, wie künftig, im Dienste von Pflanzenschutz und der besseren Gesundheit von Tieren. "Die Märkte für Tiergesundheit und biotechnologischen Pflanzenschutz sind sehr vielversprechend. Gerade in diesem Bereich gibt es viel Wachstumspotenzial", freut er sich schon heute auf die spannende Zukunft seiner SAN-Group.

 

Bei all seinen Aktivitäten liegt Erich Erber mittlerweile insbesondere die Nachhaltigkeit am Herzen. "Das ist ein zentrales Thema für mich. Ich möchte Nachhaltigkeit aber in allen drei Dimensionen denken: ökonomisch, ökologisch und sozial. Ich bin davon überzeugt, dass sich viele Herausforderungen der Menschheit mit Konzepten aus der Biotechnologie, den erneuerbaren Energien und mit schulischer Bildung der Weltbevölkerung lösen lassen."

 

 

www.wienerzeitung.at

 

 


 

 


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