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LINZ. Die Linzer haben die erste teilautonome Maschine zur Gleisreparatur an die ÖBB geliefert.

 

 

Das Linzer Familienunternehmen Plasser & Theurer und die ÖBB verbindet eine jahrzehntelange Zusammenarbeit. Häufig sind die ÖBB der erste Kunde, der eine Innovation aus Linz auf die Schiene bringt. Seit kurzem fährt die erste teilautonome Gleisstopfmaschine in Kombination mit dem schnellsten Messfahrzeug der Branche auf Österreichs Gleisen. Beides wurde von Plasser & Theurer entwickelt und produziert. Die Weltneuheiten haben die Firmenchefs Andreas Matthä (ÖBB) und Johannes Max-Theurer (Plasser & Theurer) gestern, Freitag, bei einem gemeinsamen Medientermin in Linz vorgestellt.

 

"Schnell fahren geht mit dem Zug nur, wenn die Gleise wirklich gut liegen", erklärte gestern ÖBB-Chef Matthä. Damit die Bundesbahnen mit bis zu 230 Kilometern pro Stunde über die Schienen rasen können, werden Gleise regelmäßig mit Plasser & Theurer-Maschinen gewartet. Dabei geht es um Toleranzen von weniger als einem Millimeter. Zunächst werden die Gleise präzise vermessen: "Unser neues Messfahrzeug kann das aufgrund einer neuen Kameratechnologie im Vorbeifahren bei einer Geschwindigkeit von hundert Kilometern pro Stunde", sagt Max-Theurer, Geschäftsführer von Plasser & Theurer. Das entspreche einer Beschleunigung um das Zwanzigfache. Für die ÖBB erhöhe das die Wirtschaftlichkeit deutlich: "Unsere Sperrpausen verkürzen sich, die Kapazität erhöht sich", sagt Matthä.

 

Ist die Vermessung abgeschlossen, werden die Schienen mittels Gleisstopfmaschinen wieder in die korrekte Position gebracht. Plasser & Theurer hat die erste teilautonome Maschine auf dem Markt eingeführt. Sie wird von einem Assistenzsystem gesteuert, das auf Basis von künstlicher Intelligenz und Sensorikdaten arbeitet. Die Gleise werden angehoben, die Maschine "stopft" den Schotter unter die Bahnschwelle, sodass die Sicherheit wieder gegeben ist.

 

Die Maschine hat einen Hybridantrieb, kann also sowohl mit Diesel als auch über die Oberleitung betrieben werden. Dadurch ist sie um bis zu 20 Dezibel leiser. Da die Wartungsarbeiten in der Nacht erfolgen, sei dies ein großer Vorteil, so Matthä. Die ÖBB seien Vorreiter, was den Einsatz der Innovationen angehe. Jetzt plant Max-Theurer ein internationales Ausrollen: "In Italien versuchen wir bereits Ähnliches. Auch für Japan ist die Technologie interessant." Das Marktpotenzial sei groß, weil in vielen Ländern bereits Hochgeschwindigkeitszüge zum Einsatz kämen.

 

50 neue Mitarbeiter

 

7,2 Prozent des Umsatzes (zuletzt 522 Millionen Euro) investiert das Linzer Familienunternehmen pro Jahr in Forschung & Entwicklung. In diesem Bereich wurden in den vergangenen Monaten 50 Mitarbeiter aufgenommen. "In Hagenberg und an der FH Wels gibt es hervorragende Leute", lobt Max-Theurer. (sd)

 

Weltmarktführer Plasser & Theurer in Zahlen

 

522 Millionen Euro hat das Familienunternehmen in Österreich im Jahr 2017 an Umsatz erzielt. Vor 65 Jahren wurde Plasser & Theurer gegründet. Seitdem wurden 16.300 Großmaschinen ausgeliefert.


1900 Mitarbeiter sind für die Firma allein in Österreich tätig. 1600 davon arbeiten im Stammsitz in Linz. In den vergangenen Monaten wurden Forschung & Entwicklung personell aufgestockt: Rund 50 Mitarbeiter sind hinzugekommen, die an Innovationen arbeiten.


109 Länder werden von Plasser & Theurer mit Gleisbearbeitungsmaschinen beliefert. Der Exportanteil liegt bei 95 Prozent. Diese geografische Breite begründet auch eine der Wettbewerbsstärken der Linzer: Sie sind weniger abhängig von Konjunkturschwankungen. „Irgendwo scheint immer die Sonne“, formuliert es ein Firmensprecher treffend.

 

 

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