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Der Einzelhandel in den Stadtzentren wird vom Online-Einkauf und den Shopping-Centern auf der grünen Wiese in die Zwickmühle genommen. Die Zahl der leeren Geschäfte steigt, die Mieten sinken. Selbst Toplagen müssen um ihre Attraktivität kämpfen.

 

Momentaufnahme von der Linzer Landstraße, nach der Mariahilfer Straße in Wien die angeblich beste Einkaufsmeile Österreichs: Die Zahl der eingesessenen Kaufleute schrumpft.

 

"Fetzengeschäfte" in Bestlagen

 

Sogenannte Fetzengeschäfte und Ein-Euro-Läden stoßen immer weiter Richtung Zentrum vor und haben schon die Mozartstraße erreicht. Kleider Bauer in absoluter Toplage verkauft wegen eines Streits mit dem Hausbesitzer ab. Schräg gegenüber, an der Ecke Landstraße/Bethlehemstraße, hat das Schuhhaus Eiler die Segel gestrichen. Es folgt kein anderer Tophändler, sondern eine Bank. In der hoch frequentierten Schmidtorstraße stehen drei Objekte leer. Die Erosion schreitet voran.

 

"Die Mietvorstellungen sind bei manchen Hausbesitzern zu hoch. Wir führen über die Problembereiche Gespräche, aber wir haben kein Durchgriffsrecht", sagt Werner Prödl, Chef der Kaufleute-Vereinigung City Ring: "Das ist unser Nachteil gegenüber Einkaufszentren."

 

In diesen gemanagten Ladenstraßen herrscht ein strenges Regime: "Wenn Geschäfte nicht funktionieren, ist das eine Spirale nach unten", sagt PlusCity-Geschäftsführer Ernst Kirchmayr. Deshalb wache sein Management über den optimalen Branchenmix und den Erfolg der 220 Mieter. Wer sein Geschäft nicht in Schuss halte, dem werde bei nächster Gelegenheit der Mietvertrag nicht verlängert; mehr Umsatz bringe höhere Mieten.

 

Kirchmayr: "Die liebe Not"

 

Aber auch Kirchmayr spürt die Internet-Konkurrenz. Ohne Gastronomie und Unterhaltung (z. B. Kino) funktioniere es nicht mehr: "Mit einem klassischen Einkaufszentrum hast du die liebe Not."

 

Den Mix aus Unterhaltung und Atmosphäre hätten die meisten Innenstädte noch. "Die Shopping-Citys kopieren ja nur die Multifunktionalität der Stadt", sagt Roland Murauer vom Beratungsunternehmen Cima in Ried. In den alten Einkaufsstädten brechen aber die Handelsgeschäfte weg.

 

In den A-Lagen hätten sich die Mietpreise von rund 30 auf 15 Euro je Quadratmeter halbiert. "Vermieter, die das nicht einsehen, werden sehr lange einsam bleiben." Das Internet lasse auch für die Einkaufszentren "die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen", so der Handelsexperte: "Dort klagen die Kaufleute schon über exorbitant hohe Mieten." Handelsketten reduzieren ihre Flächen.

 

Ried hat einen neuen Prozess gestartet: Mit einer "Stadt-up-Initiative" wurden rund 15 Kleinunternehmen in der Innenstadt angesiedelt, vom Schusteratelier bis zu Genussläden. "Ein herkömmliches Stadtmarketing mit Gewinnspielen und Gutscheinen bringt es nicht mehr. Die Massenkaufkraft ist heute in den Einkaufszentren, wir müssen alternative Zielgruppen ansprechen", sagt Murauer. In der Folge sollte die Innenstadt wieder für Handelsketten interessant sein.

 

Prödl: "Es ist fünf vor zwölf"

 

Auch Werner Prödl wünscht sich für Linz ein städtisches Standortmanagement. Es sei nicht Aufgabe des City Rings, Leerflächen zu vermarkten und die Nachfrage zu sondieren. "Es ist fünf Minuten vor zwölf für den stationären Handel", sagt er. Die EU versagt weiter bei E-Commerce-Steuern. Dabei stehen wir erst am Anfang. Das Internet wird mit künstlicher Realität (Augmented Reality) Einkaufserlebnisse zaubern. Produkte aus der ganzen Welt können daheim ausgedruckt werden können.

 

Ein Lichtblick für den stationären Handel: Bei diesem Szenario könnte die Atmosphäre einer guten, alten Einkaufsstadt bald wieder mehr gefragt sein.

 

 

Josef Lehner               www.nachrichten.at


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