Die hohen Pleitezahlen sind eher ein reinigendes Gewitter, als ein dystopischer Tsunami. Den Standort schützt das vor Steuergeld-fressenden Zombieunternehmen.

Die am Montag vom Kreditschutzverband Creditreform veröffentlichte Insolvenzstatsitik verleitet zu vorschnellen alarmistischen Schlüssen. Die Zahl der Firmenpleiten hat sich im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt, auch Privatinsolvenzen legen um mehr als ein Drittel zu.

Ist das die vielfach beschworene Insolvenzwelle, die die meisten Beobachter schon längst verebben sahen? Mag sein. Man erinnere sich an die Zeiten, als die Bundesregierung das Drohszenario einer Insolvenzwelle (manche sprachen gar von einem Tsunami, um noch dystopischer zu klingen) konsequent gezeichnet hat, um damit allerlei Eingriffe in die Wirtschaft zu rechtfertigen. Und eines muss man der Regierung dabei zugestehen: Ohne die zahlreichen Hilfprogramme und Stundungen wären heute freilich deutlich mehr Unternehmen pleite.

Dass die Zahl der Insolvenzen heuer wieder deutlich steigt, haben Experten schon länger prognostiziert. Für den Wirtschaftsstandort ist dieser Anstieg aber mehr Segen als Fluch. Durch die üppigen Hilfen wurden seinerzeit nämlich auch viele Unternehmen durch die Krise getragen, die ohnehin kaum mehr geschäftsfähig waren und einem funktionierendem Markt mehr im Weg standen, als diesen zu bereichern. Experten sprechen von einer gesunden Insolvenzrate von rund zwei Prozent, um sich selbst zu bereinigen.

Die für heuer prognostizierten 5000 Firmeninsolvenzen mögen zwar ein starker Anstieg gegenüber den beiden Coronajahren sein, damit liegt man aber immer noch deutlich unter dem langjährigen Schnitt der vergangenen 20 Jahre. Vielmehr als ein Tsunami sind die Zahlen ein reinigendes Gewitter, das den Standort vor Steuergeld-fressenden Zombieunternehmen schützt.

Kreditschützer sorgen sich inzwischen vor den neu aufziehenden wirtschaftlichen Gewitterwolken. Sollte Europa tiefer in den drohenden Stagflationsstrudel hineingezogen werden, würden tatsächlich horrende Insolvenzzahlen drohen, mahnen Experten. Ob sich der Staat überbordende Eingriffe ein weiteres mal leisten kann und will, sei angesichts der steigenden Zinsen einmal dahingestellt.

David  Freudenthaler      diepresse.com