LINZ. Waren aus unserem Bundesland sind im Ausland gefragt wie nie. Der Wert der Ausfuhren wird heuer auf 48,8 Milliarden Euro steigen und damit das Vorkrisenniveau deutlich übertreffen. 2023 werde sich diese Dynamik aber krisenbedingt einbremsen, hieß es heute, Mittwoch, beim Exporttag in Linz.

Vor allem im ersten Halbjahr hätten die Exporte heuer deutlich angezogen, sagte Oberösterreichs Wirtschaftskammerpräsidentin Doris Hummer bei einem Pressegespräch in der voestalpine-Stahlwelt. Für das Gesamtjahr rechnet Hummer mit ein Plus beim Wert der Ausfuhren von 14 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Die erwarteten 48,8 Milliarden Euro sind doppelt so viel wie 2006 (24,6) und deutlich mehr als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie 2019 (40). Geholfen habe auch der im Vergleich zum Dollar schwächere Euro, der Exporte grundsätzlich billiger macht. 

Oberösterreich kommt im Bundeslandvergleich eine Schlüsselrolle zu. Rund 12.000 Firmen exportieren. Jeder vierte Export aus Österreich stammt aus Oberösterreich. Der Export sei der Wachstumstreiber der Wirtschaft und Wohlstandsbringer zugleich, sagte VP-Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner. 

Er sieht wie Hummer aber „noch viel Potenzial“ bei den Unternehmen. Oberösterreich habe rund 100.000 Firmen, von denen der Großteil Klein- und Mittelbetriebe sind. Vielen sei nicht bewusst, welche Chancen sich böten, sagte Achleitner. Aus Oberösterreich ausgeführt werden vor allem Maschinen, mechanische Geräte, Eisen, Stahl und Kunststoffe. Die Hälfte aller Exporte geht nach Deutschland, in die USA und nach Italien.

Motor gerät ins Stottern

Obwohl der Exportmotor derzeit brumme, laufe er Gefahr, kommendes Jahr ins Stottern zu geraten, sagte Hummer. Bereits jetzt ist die globale Konjunktur im Abschwung, die Energiekrise und die Inflation setzen den Unternehmen zu, die Planungsprozesse für die kommenden Jahre sind eine Herkulesaufgabe. Auch die Lieferketten seien nach wie vor nicht stabil, obwohl Frachtkosten sinken und wieder mehr Container verfügbar seien. 

Achleitner verwies auf die Energiekrise, bei der es noch vor dem Winter ein politisches Eingreifen auf EU-Ebene brauche, um die Preise zu drosseln. „Das Bewusstsein, etwas zu unternehmen, ist grundsätzlich da, aber mehr Tempo ist gefragt“, sagte der Landesrat. Die Krisen hätten eine neue Dimension bekommen, die noch intensiver und schwieriger sei als die Corona-Pandemie. 

Wachstumspotenzial für heimische Unternehmen gibt es laut Patrick Sagmeister, dem stellvertretenden Leiter der Außenwirtschaft Austria, in den USA, in Südosteuropa und in Südostasien. In den USA gebe es aussichtsreiche Geschäftsfelder für heimische Maschinen- und Anlagenbauer wegen des milliardenschweren Infrastrukturpakets, für Südosteuropa spreche die Nähe zu Österreich und in Südkorea seien viele Tech-Konzerne beheimatet, die viel Geld in Forschung und Entwicklung investierten. 

Von Martin Roithner www.nachrichten.at/