Innsbruck – Vor knapp vier Jahren gab die erste Tiroler Biotech-Konferenz, die mit dem Innovationsmanager Cemit organisiert wurde, den Startschuss für das Vorhaben, in Tirol einen Biotech-Cluster aufzubauen. Vor zwei Jahren gründeten der renommierte Top-Genetiker Josef Penninger (studierte in Innsbruck), Molekularbiologe David Hoffmann und Unternehmer Gregor Wick in Innsbruck die Angios GmbH. Das Unternehmen beschäftigt sich mit Behandlungen von diabetischen Gefäßerkrankungen und dem Züchten von Blutgefäßen zur Umsetzung neuer Zelltherapien.

Unlängst folgte die Gründung der Aerocyte GmbH. Das Innsbrucker Gemeinschaftsunternehmen von Wick und dem weltweit renommierten Tiroler Stammzellenforscher Harald Ott will eine Therapie gegen die Lungenerkrankung COPD auf Basis von Stammzellen entwickeln. Nun könnten weitere Unternehmen in Innsbruck andocken, ist Wick überzeugt. „Die Idee ist es, über die Jahre hinweg eine richtige Gruppe von Biotech-Unternehmen in Tirol anzusiedeln und zu etablieren – mit Geld aus Kanada und den USA sowie mittels Investorennetzwerken in Österreich“, betonte Wick.

So sei etwa die Ansiedelung eines Unternehmens angedacht, das sich mit der Verbesserung der künstlichen Befruchtung beschäftigt. „Weltweit wurden Millionen Kinder durch künstliche Befruchtung geboren“, schildert Josef Penninger, Leiter des größten Life-Science-Zentrums in Kanada. Oft aber klappe die künstliche Befruchtung nicht, weil man nicht wisse, wie man die Eizellen kultiviert. „Dieses Unternehmen hat einen Weg gefunden, die künstliche Befruchtung zu verbessern. Es ist uns gelungen das Nährmedium, in dem die Eizellen kultiviert werden, so zu gestalten, dass man sie über einen langen Zeitraum in diesem Kulturmedium halten kann“, so Penninger. Die neue Methode sei „ein Durchbruch“.

Derzeit liefen mit dem Land Tirol Gespräche, auch Wirtschaftsminister Martin Kocher habe die Biotechnologie als Zukunftssektor für Österreich definiert, sagt Wick. „Man benötigt eine gewisse öffentliche Anschubfinanzierung, um in weiterer Folge mit privatem Geld weitermachen zu können“, sagt Wick. Dieses Konzept sei „das Fundament, um in die Gänge zu kommen“. Denn Biotechnologie sei auch mit höheren Risiken und viel Scheitern verbunden. „Daher muss der Staat ein gewisses Sicherheitsnetz aufspannen. Denn ein Biotech-Cluster muss erst eine gewisse kritische Größe erreichen, um zum Erfolgsmodell zu werden.“

Beim Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien habe der Weg zum Erfolg zehn bis 20 Jahre gedauert, schildert Penninger, der als langjähriger wissenschaftlicher Direktor das IMBA mit aufgebaut hat: „Jetzt arbeiten dort ein paar tausend Leute.“

Etwas Ähnliches in Tirol aufzubauen „wäre toll“, sagt Wick: „Ziel muss sein, etwa zehn Firmen in den Tiroler Cluster einzubinden. Das wäre eine gute Größenordnung.“ Dafür aber müsse sich auch das Land Tirol langfristig dazu bekennen, sich zum Technologieland entwickeln zu wollen.

Von Max Strozzi www.tt.com